Praxishandbuch Demenz Mabuse-Verlag großDas aktuell vom Mabuse Verlag herausgegebene Werk der Berliner Autorengruppe E. Stechl, C. Knüvener, G. Lämmler, E. Steinhagen-Thiessen und G. Brasse hebt sich erfreulich vom Durchschnitt der bislang verfügbaren, zusammenfassenden Literatur zum Thema Demenz ab.

Das Buch orientiert sich auch in seiner Kapitelreihenfolge an der Chronologie der Problemfelder, die sich im Umgang mit dementiellen Krankheiten für den Betroffen, das familiäre Umfeld, den behandelnden Arzt sowie das Team der Pflege, Physio- und Ergotherapeuten nach und nach präsentieren.

Der Einstieg in die Thematik beginnt mit dem Kapitel wie Demenz gesehen und erlebt wird. Hier setzen die Autoren wortgetreue Zitate aus den therapeutischen Gesprächen ein, wie man sie sonst eigentlich nur aus psychiatrischen Arztbriefen kennt. Dadurch gewinnt der geneigte Leser einen tiefen Einblick in die multiplen Dimensionen der Veränderungen, die durch die Krankheit und deren Diagnosestellung initiiert werden.
Viel näher und „ungeschminkter“ sind wir dadurch Beobachter insbesondere auch der emotionalen Interaktionen in den verschiedenen Stadien der Erkrankung.

Im Weiteren folgen gelungene Kapitel zur Aufklärung, Schmerztherapie, Palliation und Prävention.

Wir finden dann, wie es sich für neue Literatur zum Thema gehört, eine aktuelle Zusammenfassung der leitliniengerechten Diagnostik und differenzierten Therapie der Demenz. Hier sind die Empfehlungen zur medikamentösen Therapie insbesondere der Alzheimer Krankheit durch Acetylcholinesterasehemmer und NMDA-Antagonisten leider nicht durch belastbare RCTs untermauert, was aber nicht den Autoren vorzuwerfen wäre, sondern unserem aktuellem Wissensstand geschuldet ist.

Abschließend kommen einige supportive Kapitel mit den entsprechenden Informationen zu rechtlichen Fragestellungen, Sozialleistungen sowie Adress- und Literaturhinweisen.

Das Werk stellt eine aktuelle Wissenszusammenfassung zum Thema in Verbindung mit der Wertschätzung der Demenz als Krankheit und der betroffenen Patienten als Menschen mit dieser Krankheit dar.
Die von großer therapeutischer Erfahrung getragene und glaubhafte emotionale Wärme des Autorenteams für die Patienten mit einer Demenz zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und macht es für alle in die Behandlung involvierten Berufsgruppen zu einer spannenden und interessanten Lektüre.
So bleibt zu hoffen, dass in der Gesamtbewegung der Medizin und ärztlichen Kunst das Gleichgewicht zwischen empathischer Fürsorge, Pathophysiologie, mathematischer Statistik, Leitlinientreue und dem einfachen „sich kümmern“ wieder mehr in die Mitte dieser fünf Säulen gelangt.

Das vorliegende Buch ist zu diesem Zwecke ohne Zweifel höchst lesenswert.

Eine Rezension von:

Prof. Dr. med. Ralf-Joachim Schulz
Leiter des Lehrstuhls für Geriatrie der Universität zu Köln Ärztlicher Direktor des St. Marien-Hospitals
Chefarzt der Klinik für Geriatrie am St. Marien-Hospital
Past-President der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie

F. Wachendorf
Oberarzt, Klinik für Geriatrie
St. Marien Hospital
Lehrstuhl für Geriatrie, Universität Köln



Praxishandbuch Demenz. Erkennen - Verstehen - Behandeln.

Mit einem Vorwort von Prof. Konrad Beyreuther
Elisabeth Stechl (Autor), Catarina Knüvener (Autor), Gernot Lämmler (Autor), Elisabeth Steinhagen-Thiessen (Autor), Gabriele Brasse (Autor)

  • 352 Seiten
  • Verlag: Mabuse-Verlag; Auflage: 1. Aufl. (21. September 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3863210387
  • ISBN-13: 978-3863210380