(17.06.2010) Stellungnahme zum Ergänzungsauftrag Rivastigmin-Pflaster des Präsident-elect der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), Herrn PD Dr. med. Werner Hofmann

Herrn
Prof. Dr. med. Peter Sawicki
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit
im Gesundheitswesen
Dillenburger Str. 27
51105 Köln

 

Sehr geehrter Herr Professor Sawicki,

Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) hat an der S3-Leitlinie der AWMF mitgewirkt und zum IQWIG-Bericht zu Memantine aus ärztlicher und klinischer Sicht bereits Stellung genommen. Der vorläufige Bericht/ Ergänzungsauftrag zum Rivastigmin-Pflaster und zu Galantamin sieht erneut eine formale, statistische Relevanzschwelle als Maß für eine Nutzenbewertung vor.

 

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Aus ärztlicher, klinischer und vor allem geriatrischer Sicht ist eine derartige, bloß formale Relevanzschwelle nicht zu akzeptieren, weil die Variabilität der Krankheitsverläufe mit zunehmendem Lebensalter und mit zunehmender Multimorbidität zunimmt. Als Geriater erkennen wir den "Nutzen" von Metaanalysen, evidenzgestützten Daten und statistischen Analysen nicht nur nicht an, sondern beteiligen uns aktiv z. B. an Leitlinienentwicklungen.

Gleichermaßen sind wir aber auch dort, wo wir eine Wirksamkeit im Einzelfall feststellen können, darauf angewiesen, auf dem Boden evidenzgestützter Daten unsere Therapie zu individualisieren. Vor allem, wenn es keine oder nur wenige Behandlungsalternativen gibt, setzen wir als wirksam erwiesene Antidementiva auch nach individuellen Gesichtspunkten ein. Dies betrifft insbesondere auch die Applikation in Pflasterform, wenn Schwierigkeiten hinsichtlich der Einnahmetreue (Adhärenz) und / oder mit dem Schluckvermögen bestehen.

Zu einer weiteren wissenschaftlichen Erörterung sind wir gerne bereit.
Die erforderlichen Formblätter zu unserer Stellungnahme sind beigefügt.

Mit freundlichen Grüßen
PD Dr. med. W. Hofmann
Präsident elect Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)