Die Forschung berücksichtigt ältere multimorbide Patienten zu wenig.(11.04.2012) Die Forschung berücksichtigt ältere multimorbide Patienten zu wenig. Das kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) im Vorfeld ihres Jahreskongresses vom 14. bis 17. April in Wiesbaden.

Mehr als 20 Prozent der deutschen Bevölkerung sind älter als 65 Jahre. Laut DGIM haben 40 Prozent der über 65-Jährigen bis zu vier Erkrankungen gleichzeitig, über 16 Prozent sogar mehr. Sie sind auf verschiedene Medikamente angewiesen und nicht selten durch ihre Krankheiten im Alltag erheblich eingeschränkt. Mehr als zwei Millionen Bundesbürger gelten als pflegebedürftig. „Ziel der Diagnostik und Therapie älterer Menschen ist demzufolge primär der Erhalt der Funktionalität und damit der Eigenständigkeit und Lebensqualität“, sagte Cornel Sieber vom Institut für Biomedizin des Alterns der Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg.

Erhalt der Funktionalität und damit der Eigenständigkeit und Lebensqualität

Häufig gehen und bewegen sich diese Patienten unsicher. Immobilität und Gangunsicherheit wiederum erhöhen die Risiken für Stürze und Knochenbrüche. Danach werden die Betroffenen nicht selten bettlägerig. Die Folge sind oft schmerzhafte Druckstellen auf der Haut, die sich zu schwer heilbaren und infektiösen Geschwüren entwickeln können. Mitunter entwickeln Patienten in diesem Alter auch Angststörungen oder werden depressiv. „Sobald weitere häufig auftretende, altersbedingte Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Stoffwechselstörungen oder Demenz hinzukommen ist der Teufelskreis aus Medikation und Therapie kaum noch zu bewältigen“, erläuterte Sieber.

Studien, die diese Patientengruppe hinreichend untersuchten und entscheidende Fortschritte in ihrer Behandlung beförderten, seien in der Forschung deutlich unterrepräsentiert, bedauert die DGIM. „Deshalb liegen bislang noch viel zu wenige valide Ergebnisse vor und die Mehrzahl der Erkenntnisse über die Therapie Multimorbider ist nicht evidenzbasiert“, stellte Sieber fest. Sie könnten demzufolge auch nicht in Leitlinien überführt werden, an denen sich Ärzte in der Behandlung orientierten. Grund hierfür sei unter anderem, dass es noch keinen wissenschaftlichen Konsens in grundlegenden methodischen Fragen gebe. Schon bei der Definition für Multimorbidität und der Anzahl und Art der berücksichtigten Erkrankungen gingen die Meinungen auseinander, so der Geriater.