Treffen DGG und DGN, August 2013(Köln, 10.09.13) Neurologie und Geriatrie im offenen Dialog: Mitte August trafen sich der Erste Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Professor Dr. Martin Grond (Foto links), und der amtierende Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), Professor Dr. Ralf-Joachim Schulz, zu einem gemeinsamen Gespräch. In entspannter Gesprächsatmosphäre forderten beide Vertreter eine fachliche und auf die Sachebene bezogene Diskussion der zukünftigen Versorgung hochbetagter Patienten. „Auch wenn wir in unseren Fächern hohe Schnittmengen in der Patientenversorgung und eine Konkurrenzsituation erleben, stehen unsere Patienten immer im Vordergrund“, waren sich Grond wie Schulz einig. „Es geht uns um die fachliche Qualifikation der behandelnden Ärzte bzw. um deren Kompetenz und nicht um Territorien.“ Aus diesem Grund beschlossen beide Präsidenten, auch in einen verstärkten Dialog beider Fachgesellschaften einzutreten.

Kritisch und doch sachlich erörterten Professor Martin Grond und Professor Ralf-Joachim Schulz in der Geschäftsstelle der DGG in Köln die Problematik des in Aussicht gestellten Facharztes für Innere Medizin und Geriatrie mit dem gleichzeitig bereits von den Neurologen beantragten Facharzt für Neurologie und Geriatrie nach 6-jähriger Weiterbildung. Zwei Meinungen stehen sich hier gegenüber. „Der Geriater ist eine fächerübergreifende Versorgungsinstanz und Anlaufstelle für multimorbide Patienten. Er arbeitet interdisziplinär“, stellte DGG-Präsident Schulz seine Position hierzu klar. „Es kann in meinen Augen deshalb nur einen Geriater mit einem Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie geben.“
DGN-Präsident Grond ist genau in diesem Punkt anderer Meinung: „Der Neurologe mit geriatrischer Weiterbildung versteht sich genauso als Geriater wie der Internist mit entsprechender Weiterbildung. Geriatrie ist kein Teilgebiet der Inneren Medizin. Eine Reduktion hierauf diskriminiert die älteren Patienten.“

Entscheidend ist das interdisziplinäre Konzept – dieser Aussage können beide Präsidenten zustimmen. „Der ältere Patient hat einen Anspruch auf das gesamte Spektrum der Altersmedizin“, sagten Grond und Schulz.

Einvernehmliche Verständigung zur Definition von Schnittstellen

Die gute atmosphärische Stimmung zwischen beiden Vorständen möchten DGG und DGN deshalb schnellstmöglich für die konstruktive Definition von Schnittstellen und Aufgabenfeldern beider Fächer nutzen. Als Vorbild soll hier das bereits gelungene Netzwerk in der Schlaganfallversorgung dienen, für das sich Professor Grond bereits seit Jahren engagiert. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe wird entsprechend während des Jahreskongresses der DGG in Hof am 13. September gegründet.

Beide Präsidenten verdeutlichten ihre Dialogbereitschaft zudem durch den gegenseitigen Beitritt in die jeweils andere Fachgesellschaft. So ist Professor Grond seit dem ersten August Mitglied der DGG, Professor Schulz wurde Mitglied der DGN. Auch wird DGN-Präsident Grond am Jahreskongress der DGG vom 12. bis 14. September in Hof teilnehmen. Eine Woche später wird Professor Schulz wiederum Gast der DGN-Jahrestagung in Dresden sein.
„In Hof haben wir das gemeinsame Symposium ‚Stroke-Unit in der Geriatrie und Neurologie’ geplant. Es wird am Freitag den 13. September von 8.30 Uhr bis 9.45 Uhr stattfinden“, sagte Schulz. „Professor Grond und ich übernehmen gemeinsam den Vorsitz und werden unter anderem auch als Referenten auftreten.“ Den Worten beider Präsidenten „nur im offenen Dialog werden wir gemeinsam die strukturellen Probleme lösen“ sollen jetzt auf dem Fuße Taten folgen.


(Foto v.l.n.r.: Professor Martin Grond und Professor Ralf-Joachim Schulz bei ihrem Gespräch Mitte August in Köln in der Geschäftsstelle der DGG)