Dr. Jürgen Bauer(27.04.2016) Unter Geriatern ist der Termin schon seit langem im Kalender fest eingetragen: Vom 07. bis 10. September laden die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) zum Jahreskongress nach Stuttgart ein – dieses Mal unter dem Motto „Leben und Altern – Funktionalität und Qualität“. Was sind die Besonderheiten und Neuerungen? Oder anders gesagt: Warum lohnt es sich, in diesem Jahr nach Stuttgart zu kommen? – Fragen an den Kongresspräsidenten der DGG, PD Dr. Jürgen Bauer.

1. Frage: Herr Dr. Bauer, Redner aus Australien, Kanada, USA, Großbritannien – der gemeinsame Jahreskongress von DGG und DGGG wird in diesem Jahr deutlich internationaler. Von 7 Keynote-Speakern kommt nur einer aus Deutschland. Was steckt dahinter?
Andere Länder haben eine längere Geschichte und mehr Erfahrungen im Bereich der Geriatrie und Gerontologie. In Deutschland ist zum Beispiel in der Geriatrie die akademische Entwicklung sehr verzögert gestartet, die aber für die Wissensvermittlung innerhalb eines Faches enorm wichtig ist. Indem wir auf die Expertise und Erfahrungen der ausländischen Kollegen zurückgreifen, lernen wir dazu.
Dazu kommt, dass verschiedene Länder durchaus unterschiedliche Sichtweisen auf dasselbe Thema haben – und auch andere Forschungsschwerpunkte setzen. Das schärft die Sicht auf das eigene Fach. Von dem diesbezüglichen Austausch und der Diskussion können wir also nur profitieren.
Die Keynote-Speaker werden länger auf dem Kongress unterwegs sein – sodass die Chance besteht, auch im persönlichen Gespräch auf diese renommierten Experten zuzugehen.

2. Frage: Das Thema von Professor Finbarr Martin aus Großbritannien lautet zum Beispiel „What Germany could learn from British geriatric medicine“. Was haben die Entwicklungen in Großbritannien mit Deutschland zu tun?
Großbritannien weist eine lange Geschichte der Geriatrie auf. Die britischen Kollegen sind sehr zahlreich und breit aufgestellt.
Aber: Die akademische Entwicklung verlief nicht immer geradlinig. Daher wird der Vortrag nicht nur die Highlights einer Erfolgsgeschichte beleuchten, sondern auch aufzeigen, wo es Rückschläge gab. Wie kann es passieren, dass man politischen Einfluss wieder verliert? Wann und warum gab es einen wissenschaftlich-strukturellen Einbruch? Ist eine Verbreiterung des Fachwissens auch außerhalb der Geriatrie in jedem Fall zu begrüßen – oder geht damit auch ein Stück Spezialisierung und Einfluss verloren? Hier können wir in jedem Fall dazulernen – und die positiven Elemente in unsere Arbeit integrieren, aber auch aufpassen, dass wir nicht in dieselben Fallen tappen.

3. Frage: Welches Signal ist Ihnen wichtig nach außen und an die Kollegen zu senden?
Netzwerken, von anderen lernen, sich gegenseitig stärken – das halte ich für besonders wesentlich. Es ist ein Irrtum, wenn man glaubt, dass man jede Entwicklung vollständig selbst erarbeiten muss. Vieles lässt sich schneller umsetzen, wenn man die Informationen von anderen vorliegen hat, die schon Erfahrungen in einem speziellen Bereich gesammelt haben.

4. Frage: Mit welchen weiteren Neuerungen können Kongressbesucher in diesem Jahr rechnen?
Wir verlassen das Kongressgebäude! So werden in Zusammenarbeit mit Prof. Clemens Becker Hospitationen vor Ort im Robert-Bosch-Krankenhaus und in Tübingen stattfinden.
Außerdem laden wir alle interessierten Laien am Mittwoch ins Rathaus zum Patiententag ein – so werden wir auch für die Stuttgarter sichtbar. Und eine Überraschung ist auch noch geplant…

5. Frage: Sie initiieren in diesem Jahr zudem einen Austausch mit der Gerontological Society of America, kurz: GSA. Können Sie das näher erläutern?
Parallel zu Deutschland läuft in den USA der Aufruf, sich mit Abstracts für den Kongress in Stuttgart zu bewerben. Vier Slots halten wir hierfür im regulären Programm bereit. Frau Prof. Zank, die Kongresspräsidentin der DGGG hat sich in diesem Kontext sehr engagiert. Auch Prof. James Appleby, der CEO der GSA wird nach Stuttgart kommen und einen Vortrag halten – das ist bereits fest zugesagt und darüber freuen wir uns sehr.
Wir haben außerdem vor, die englischsprachigen Vorträge in diesem Jahr möglichst vollständig in Doppelprojektion durchzuführen, damit parallel zu den englischsprachigen Folien gleichzeitig die deutschen Übersetzungen zu lesen sind. Das hängt allerdings davon ab, wann wir die jeweiligen Vorträge bekommen – aber ich bin zuversichtlich, dass uns das größtenteils gelingen wird.

Natürlich sind wir auch gespannt, was die deutschen Kollegen beitragen werden.

Bis Sonntag, den 1. Mai, können noch Abstracts eingereicht werden.

Der Countdown läuft!

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