Icon_Downhofmann web(Februar 2009) Die Demografie diktiert den Takt: Weil die Menschen in Deutschland immer älter werden, steigt auch die Zahl demenzkranker Menschen. Derzeit werden bundesweit etwa 1,5 Millionen Betroffene gepflegt, 2030 werden es bereits doppelt so viele sein, Tendenz weiter steigend.

Was sich so mit mathematischer Präzision vorhersagen lasse, sollte uns zum Umdenken bewegen, mahnt Dr. Werner Hofmann. Der 56-jährige Mediziner, seit einem Jahr Chefarzt der Geriatrie am Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK), will dabei künftig deutschlandweit aktiv mithelfen: Ende des Jahres wurde der Fachmediziner ins Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie gewählt. Als "Präsident elect" will er dort insbesondere den Aufbau neuer Strukturen vorantreiben, die den gesellschaftlichen Umgang mit der Alterskrankheit erleichtern sollen - ohne das Gesundheitswesen dabei an den Rand des Kollaps’ zu bringen.
 

Für Hofmann gilt daher als ausgemacht, dass wir bei der Versorgung dementer Menschen künftig "mehr denn je auf Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement setzen müssen". Der Geriatrie-Fachmann fordert eine Enttabuisierung der Alterskrankheit und eine professionelle Unterstützung von Laienhelfern: "Demenz wird in naher Zukunft zum Alltag gehören", sagt Hofmann voraus. Empfänden selbst Familienangehörige den Umgang mit der Demenz heute noch als schwer belastend, werde Nachbarschaftshilfe für den Dementen nebenan künftig eher der Normalfall, hofft der Mediziner.


Bundesweit gibt es derzeit rund 600 betreute Hausgemeinschaften für Demente. In Neumünster bauen derzeit Diakonie und Arbeiterwohlfahrt entsprechende Einrichtungen auf. Auch deren Zahl werde steigen, prognostiziert Hofmann.

Aber auch die Kliniken müssen aus Sicht des Mediziners umdenken. Geriatrische Abteilungen sollten, wie in Schleswig-Holstein bereits vielfach geschehen, in Schwerpunktkrankenhäuser eingebunden werden. Das FEK unternimmt dabei gerade den nächsten Schritt: Derzeit wird im Krankenhaus eine Art Mini-Akutkrankenhaus für Demente aufgebaut, für deren Betreuung oder gar Rehabilitation normale Stationen hoffnungslos überfordert wären. Mit der 12-Betten-Station wäre Neumünster landesweit Vorreiter. Ü 76 wird voraussichtlich Ende März eröffnet.


Von Jens Bluhm
Erschienen im SHZ, Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag
3. Februar 2009