Professor John Morley

(03.07.2017) Auf die Altersmedizin rollt ein Tsunami zu: Eine begrenzte Anzahl von Geriatern muss in Zukunft immer mehr ältere Patienten mit ihren spezifischen Bedürfnissen adäquat versorgen. Wie soll das gut funktionieren? Professor John Morley von der Saint Louis University, einer der berühmtesten lebenden Geriater, hat sich mit dieser Herausforderung intensiv auseinander gesetzt. In seiner mit Spannung erwarteten Keynote-Lecture „The future of Geriatric Medicine“ beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) in Frankfurt am Main wird er darüber sprechen, wie diese Mammutaufgabe bewältigt werden kann. Bereits jetzt gibt er uns einen kleinen Einblick.

Große Bedeutung kommt seiner Meinung nach einer dieser demographischen Veränderung angemessenen Ausstattung der Krankenhäuser zu: „Alle stationären Einrichtungen sollten eine Akutpflege für ältere Menschen, eine Delir-Intensivstation, eine geriatrische Notfallabteilung und eine geronto-unfallchirurgische Einheit besitzen“, findet Professor Morley. Ebenso müssten Instrumente implementiert werden, mit denen die wichtigsten geriatrischen Syndrome Frailty, Sarkopenie, Anorexie und kognitiver Abbau frühzeitig erkannt und konsequent behandelt werden können. „Vieles davon wird computergestützt durchgeführt werden können.“

Telemedizin, Exoskelette & Co: Neue Technologien spielen eine wichtige Rolle

Zudem soll moderne Technologie helfen, Kapazitäten in den Krankenhäusern freizuhalten. So könnten Patienten mit weniger schweren akuten Beschwerden laut Morley durch telemedizinische Programme adäquat zuhause versorgt werden. Auch Rehabilitation könnte so funktionieren: „Moderne Technologien wie Exoskelette und computergesteuerte Physiotherapie werden eingesetzt, um die Patientenergebnisse zu verbessern“, ist sich Professor Morley sicher. Die „Geronto-Technologie“ wird eine bedeutende Rolle in der zukünftigen Altersmedizin spielen und so besonders für Geriater an Bedeutung gewinnen.

Geriater werden Superspezialisten der vorausschauenden Medizin sein

Bereits auf molekularbiologischer Ebene könnte in Zukunft eine Menge getan werden, um altersbedingte Probleme präventiv zu bekämpfen – mit Stammzellen, Genanalysen und Genetic Engineering. Damit bekommen Geriater eine besondere Stellung innerhalb der sogenannten P4-Medizin – einem patientenorientierten vorausschauenden Ansatz, der die vier Prinzipien predictive, preventive, personalised und participatory in den Vordergrund stellt – also die Prädiktion, Prävention, Personalisierung und Partizipation. „Geriater werden in der Tat die Superspezialisten der zukünftigen P4-Medizin sein“, so John Morley. Um diese Art der Medizin in der Geriatrie umzusetzen, bedürfe es einer stärkeren interdisziplinären Zusammenarbeit entlang der kompletten Versorgungskette.

Dringend notwendig: Enge Zusammenarbeit, einheitliche Standards und mehr Altersmediziner!

Überhaupt sei die enge Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams unabdingbar, um dem Alters-Tsunami Herr zu werden – zum Beispiel bei der Entwicklung von Programmen, die die Resilienz älterer Patienten und deren kognitive Fähigkeiten trainieren. „Wir brauchen Standards, um eine hohe Qualität für diese geriatrischen Programme in den Krankenhäusern zu gewährleisten“, meint Morley. Auch für das Image und die Wahrnehmung der Altersmedizin in der Öffentlichkeit sei noch Einiges zu tun: „Wir brauchen mehr Geriater, um präsenter zu sein. Und dafür brauchen wir ein größeres Bewusstsein für den Bedarf an Geriatern.“

 


Zur Person

John E. Morley ist Professor of Gerontology und Direktor der Division of Geriatric Medicine an der Saint Louis University Medical School in Missouri/USA. International bekannt ist er als Forscher, Kliniker und Ausbilder. Neben umfangreichen wissenschaftlichen Errungenschaften hat Morley klinische Ausbildungsprogramme sowohl in der Endokrinologie als auch in der Geriatrie geleitet. Er ist Herausgeber der renommierten Fachzeitschrift Journal of the American Medical Director`s Association (JAMDA) und hat zahlreiche Auszeichnungen für seine Forschungs- und Ausbildungskompetenz erhalten, etwa 2004 den Gerontological Society of America´s Freeman Award und 2011 den AMDA Pattee Award for Educational Excellence.

 

John Morley, Saint Louis University Medical School
Keynote-Lecture: „The future of Geriatric Medicine”
DGG-Jahreskongress
Campus Westend
28. bis 30. September 2017
Frankfurt am Main