Jürgen Bauer

(02.10.17) Der Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) war ein voller Erfolg. Niemals zuvor kamen so viele Teilnehmer. Die Zahlen sprechen für sich: Über 600 Mediziner besuchten an drei Veranstaltungstagen insgesamt 21 Symposien mit 90 Einzelbeiträgen, neun Lunchsymposien, sieben Sessions mit 39 freien Vorträgen, vier Top-Keynote-Lectures, 49 Poster-Präsentationen und zahlreiche AG-Sitzungen. Mit dem Leitthema „Evidenz und Innovation in geriatrischer Diagnostik und Therapie“ wurde bis vergangenen Sonnabend auch inhaltlich ein spannender Rahmen für neue Erkenntnisse geschaffen. Im Abschlussgespräch zieht Kongresspräsident Professor Jürgen M. Bauer (Foto) eine positive Kongressbilanz.

Herr Professor Bauer, was nehmen Sie nach diesem Kongress mit nach Hause?
Ich nehme mit nach Hause, dass wir mit unserem Kongresskonzept auf dem richtigen Weg sind. Mehr Qualität, verstärkte Profilierung und die Internationalisierung haben uns weiter vorangebracht. Das Interesse an unserem Fach wächst weiter. Die Expertise in den Vorträgen und Diskussionen bewegt sich auf einem hervorragenden Niveau. Und die internationale Anbindung der deutschen Geriatrie gelingt, weil das Interesse daran unter den Kollegen ausreichend groß ist.

Welche Take-Home-Message gibt es für die Geriater?
Vor allem drei Dinge: Vertiefen Sie unser Fach, bilden Sie sich weiter und beobachten Sie intensiv neue wissenschaftliche Entwicklungen! Wir müssen immer besser werden, damit wir unser Profil gegenüber den Kollegen anderer Fachdisziplinen so stärken, dass wir auf Augenhöhe kommunizieren und miteinander arbeiten. Dieser Kongress war ein wunderbares Forum, um persönliche Wissenslücken zu schließen – - ein guter Weiterbildungsprozess auch über die Wissenschaftlichkeit hinaus.

Evidenz und Innovation – wie wurde das Kongressmotto von den Teilnehmern gelebt und angenommen?
Wie Teilnehmer haben sich mit dem Status quo der Geriatrie auseinandergesetzt, aber auch mit den Perspektiven – also mit den nötigen Strukturen und den wissenschaftlichen Entwicklungen, die wir leisten müssen, damit die Geriatrie zukunftsfähig wird. Der Appell muss hier heißen: Verbindung von Low-Tech mit High-Tech! Wir müssen uns insbesondere auch mit Robotik und molekularen Innovationen beschäftigen. Die Geriatrie beansprucht ihren Platz in der innovativen Medizin. Sie ist ja an sich schon komplex, wird aber noch anspruchsvoller durch neue Therapieverfahren.

Gibt es weitere Erkenntnisse nach Frankfurt?
Ich glaube, wir müssen uns vor allem mit einer Frage beschäftigen: Wie können wir Alterungs- und Krankheitsprozesse dahingehend modifizieren, dass wir Funktionalität erhalten, und diesen Ansatz auch molekular denken? Als Geriater müssen wir uns verstärkt bemühen, geriatrische Institutionen in den frühen Wissenstransfer einzubinden. Wir müssen in der Lage sein, auch hochkomplexe Studien mit innovativen Pharmasubstanzen und Antikörpern durchzuführen. Das ist der Weg, den ich zumindest für die avancierten geriatrischen Zentren vorsehe.

Was halten Sie von neuen Vortrags- und Präsentationsformen?
Sehr viel! Hier können wir uns noch weiter verbessern: Neben den klassischen Vorträgen wurde beispielsweise unsere internationale Podiumsdiskussion von den Teilnehmenden gut angenommen. Das halte ich für ein wichtiges Format, das wir in Zukunft beibehalten sollten. Auch die Keynotes haben die Vortragssäle gefüllt. In Zukunft werden wir außerdem Pro- und Kontra-Diskussionen einführen, bei denen Experten für und gegen ein bestimmtes Thema argumentieren.

In diesem Jahr war es wieder ein internationaler Kongress – hat das etwas gebracht?
Ja, definitiv. Wir konnten dadurch zum einen sehr gut erkennen, dass es auch woanders Probleme, aber vielleicht auch passende Lösungen gibt. So können wir voneinander lernen. Zum anderen wurde deutlich, dass wir in Deutschland interessiert beobachtet werden. Wir sind ein Land, in dem vergleichsweise viel Geld für die Geriatrie zur Verfügung steht. Dessen sollten wir uns bei all den Klagen und Schwierigkeiten bewusst sein.

Was geben Sie abschließend den Organisatoren des Kongresses 2018 mit auf den Weg?
Die Organisatoren sollten in Vorbereitung auf den nächsten Kongress gerade auf die Themen blicken, die in der Geriatrie aktuell stark in Bewegung sind. Die Programmgestalter sollten zudem ein gewisses Gespür für Zukunftsthemen mitbringen. Aus einer permanenten Beobachtung der internationalen Literatur sowie dem Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Praxis lassen sich ganz sicher weiterhin hervorragende Themen für den kommenden Kongress entwickeln.