Wachstumsfach Geriatrie(18.04.2013) Die Geriatrie ist etwas Besonderes: „Das Fach wächst rasant und die Karrieremöglichkeiten sind außerordentlich gut“, erläutert der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), Prof. Dr. Ralf-Joachim Schulz aus Köln. Aber das ist nur ein Aspekt. „Die Geriatrie verbindet spannende Akutmedizin, die gesamte Palette der Funktionsdiagnostik sowie Intensiv- und Palliativmedizin mit einem Gut, das wir uns als Ärzte immer wünschen, das aber fast überall fehlt: ausreichend Zeit für die Zuwendung und die Arbeit mit dem Patienten“, so Schulz.

Geriatrie ist nicht gleich Reha – der Geriater als Mediziner eines Patienten mit vielen Ansprüchen

Geriater als Spezialisten für die Medizin des alten Menschen arbeiten in Notaufnahmen, in akutmedizinischen Stationen, auf Intensivstationen, in der Rehabilitation oder in der Palliativmedizin. Sie endoskopieren, schallen, übernehmen die kardiologische Funktionsdiagnostik und klären die Patienten neuropsychiatrisch ab. „Am Anfang steht das geriatrische Assessment – es gewährleistet, dass wir den Patienten umfassend diagnostizieren und betreuen. So wie es eigentlich immer sein sollte und doch sonst fast nie der Fall ist in unserem segmentierten Gesundheitssystem“, so Schulz.
„Die Arbeit mit unseren Patienten ist dankbar, weil wir Zeit für sie haben und weil wir gemeinsam an etwas arbeiten, was alle besonders wünschen: im Alter möglichst selbstständig und unabhängig zu leben“, ergänzt Priv. Doz. Dr. Rupert Püllen, President elect der DGG.

Die Geriatrie deckt einen besonderen Versorgungsbedarf

Die Geriatrie ist das Fach der Zukunft. Das signalisiert schon die demografische Entwicklung in Deutschland: Im Jahr 2030 wird jeder fünfte Patient über 80 Jahre alt sein. Parteienübergreifend spricht die Politik von der „notwendigen Geriatrisierung der Medizin“. „Unser Gesundheitswesen hat einen enormen Nachholbedarf an Spezialisten für die Medizin des alten Menschen, außerdem wächst die Gruppe unserer Patienten wegen der Alterspyramide stetig an – zusammen bedeutet das ein enormes Wachstum des Faches in den kommenden Jahren“, so Schulz.

Der Ausbau des Faches hat längst begonnen und läuft auf Hochtouren: Jedes Jahr steigt die Zahl der geriatrischen Abteilungen und Betten. Das bestätigt auch der DGG-Vize Püllen: „Sie dürfen keine Angst vor Headhuntern haben, wenn Sie Erfahrungen in der Geriatrie haben.“

Die Geriatrie schafft flächendeckende Weiterbildungsmöglichkeit

Die Zahl der weiterbildungsberechtigten Geriater in Deutschland ist 2012 deutlich von 347 auf 554 gestiegen, das ist ein Plus von 207 Personen oder 60 Prozent. „Damit hat unser Fach flächendeckend die Möglichkeit zur Weiterbildung geschaffen“, sagt der Weiterbildungsbeauftragte der DGG, Dr. Michael Meisel aus Dessau. Die hohe Steigerung hänge damit zusammen, dass immer mehr akutgeriatrische Abteilungen entstünden. „Außerdem signalisiert sie, dass unser Fach sehr attraktiv ist“, so Meisel. Die DGG hat eine Liste der weiterbildungsberechtigten Geriaterinnen und Geriater und aller geriatrischen Abteilungen in Deutschland auf ihrer Website veröffentlicht.

Die Geriatrie gewinnt an Bedeutung: eigene Sektion in der DGIM, eigenes Fachkolleg in der DFG

Die zunehmende Bedeutung der Geriatrie zeigt sich auch darin, dass die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) der Geriatrie eine eigene Sektion eingerichtet hat, ebenso wie zum Beispiel der Kardiologie oder der Gastroenterologie. Seit etwas mehr als einem Jahr hat auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ein eigenes Fachkolleg für die Altersmedizin. Die Fachkollegien spielen eine zentrale Rolle im Begutachtungs- und Entscheidungsverfahren der DFG. Sie bewerten die Förderanträge und formulieren auf dieser Basis eine abschließende Empfehlung für die Entscheidungsgremien der DFG. Außerdem beraten sie die Forschungsgemeinschaft in strategischen Fragen. „Die Einrichtung des Fachkollegs ist eine große Anerkennung für die Geriatrie und zeigt, dass wir als Fach immer stärker wahrgenommen werden“, so Schulz.

Auf dem Weg: Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie

Die DGG kämpft für einen Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie. Alle Vorarbeiten dazu sind geleistet, im Augenblick laufen die Beratungen in den Weiterbildungsgremien der Bundesärztekammer. Auch die DGIM setzt sich für einen Facharzt für Geriatrie als Experten für alte, multimorbide Patienten ein. Den internistischen Facharzt für Geriatrie konzipiert die DGIM als einen Experten, der zum Beispiel dann zu Rate gezogen wird, wenn Hausärzte mit einem multimorbiden, intensiv medikamentös behandelten Patienten nicht mehr zurechtkommen.