Frankfurt 2015(01.10.2015) Womit beschäftigen sich Geriater aktuell? Was gibt es neues? Wo gilt es, genauer hinzuhören? Wenn es nach dem Wissenschaftsforum Geriatrie (WFG) geht, dann sind „die hot Topics der Geriatrie“ in diesem Jahr unter anderem die Bereiche (Osteo)Sarkopenie, Demenzprävention, Suizid, Kopfverletzungen und orale Antikoagulation.
Diese Themen wurden entsprechend auch im Rahmen des DGG-Jahreskongresses in Frankfurt in einem Seminar der Mitglieder des WFG dargestellt. Hier wurden aktuelle Ergebnisse aus eigener, nationaler und internationaler Forschung präsentiert.


Orale Antikoagulation: Hohes Schlaganfallrisiko vs. hohe Blutungsneigung

In dem Vortrag „Therapieoptionen für ältere Patienten mit Vorhofflimmern: ASS, VKA, DOAKs, Vorhofokkluder?“ (Bahrmann) wurde das Spannungsfeld zwischen hohem Schlaganfallrisiko und hoher Blutungsneigung, in dem sich geriatrische Patienten befinden, präsentiert. Die direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) sind bei geriatrischen Patienten mit Vorhofflimmern leichter anzuwenden (keine INR-Tests erforderlich, leichtere Antikoagulationsüberbrückung) und zeigen ein besseres Nutzen-Risiko-Verhältnis als Vitamin-K-Antagonisten.  
Medikamente, die vorrangig extrarenal eliminiert werden, sind bei geriatrischen Patienten sicherer und sollten daher bevorzugt werden. In Einzelfällen kann bei Patienten mit einem erhöhten Blutungsrisiko der Verschluss des linksatrialen Vorhofohres eine therapeutische Alternative darstellen.


Häufigkeit schwerer Kopfverletzungen durch DOAKs gestiegen

In dem Beitrag über „Häufigkeit schwerer Kopfverletzungen bei älteren Menschen“ (Benzinger) wurde diskutiert, wie die Relevanz dieser gefürchteten Folge von Stürzen im Alter durch den zunehmenden Einsatz von DOAKs in den letzten Jahren gestiegen ist. Daten der AOK Bayern mit Blick auf Krankenhausaufenthalte aufgrund von traumatischen Kopfverletzungen zeigen, dass die entsprechenden Inzidenzraten im hohen Alter stark ansteigen. Neben dem Alter erhöht das Vorliegen von Pflegebedürftigkeit das Risiko für eine schwere Kopfverletzung.
Standardisierte, evidenzbasierte Vorgehensweisen bei entsprechenden Stürzen unter OAK fehlen weiterhin.


Osteosarkopenie: Neue Herausforderung in der Alterstraumatologie

Der dritte Vortrag, „Osteosarkopenie: Eine neue Herausforderung in der Alterstraumatologie?“ (Drey), stellte die Knochen-Muskel-Interaktion dar, ein aktuelles Hot Topic der Alterstraumatologie. Es wurden neu beschriebene pathophysiologische Mechanismen der Osteosarkopenie, das gleichzeitige Auftreten von Sarkopenie und Osteopenie/Osteoporose, sowie therapeutische Möglichkeiten diskutiert.


Demenz: Multidimensionales Assessments zeitintensiv, aber effektiv

Der Vortrag „Demenz als Nebendiagnose im Alter – das multidimensionale Assessment und die personalisierte Medizin“ (Polidori) verdeutlichte die mit 70% der Demenzkranken über 75 Jahren hohe Prävalenz multimorbider, kognitiv beeinträchtigter Patienten in der allgemeinen Bevölkerung. Weil keine definitive Ursache der Demenz bekannt ist und kein Durchbruch in der therapeutischen Behandlung in der nahen Zukunft zu erwarten ist, sollte die Prävention im
Vordergrund stehen.
Die Anwendung des multidimensionalen Assessments ist zwar zeitintensiv, aber effektiv im Hinblick auf Prävention und Verlaufskontrolle der Demenz. Wegen der dramatisch zunehmenden sozioökonomischen Belastung durch Demenz, werden Machbarkeit und Nachhaltigkeit der multidimensionellen klinischen Maßnahmen für die Verbesserung von klinischen Entscheidungen zur Zeit systematisch untersucht.


5-fach erhöhte Suizidrate im Alter

Der letzte Vortrag, „Suizid in der Geriatrie“ (Lindner), befasste sich mit der bis zu 5-fach höheren Suizidrate älterer Personen im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung. Vorgestellt wurden suizidale Interaktionsmuster geriatrischer Patienten, eine psychodynamische Analyse der Krankheiten, Auslöser, psychischen Abwehr und Übertragungsbereitschaft suizidaler geriatrischer Patienten. Klinischdiagnostische Hinweise zur Identifikation von Suizidalität bei multimorbiden
Hochbetagten sollten konsequent untersucht werden.


Die Mitglieder des im Jahr 2014 gegründeten Wissenschaftsforums Geriatrie treffen sich einmal im Jahr in Berlin, um nach dem gelungenen Abschluss des Forschungskollegs Geriatrie der Robert-Bosch Stiftung das entstandene Netzwerk weiter zu pflegen und zu erweitern. Ziel ist es, aktuelle Forschungsthemen der Geriatrie zu diskutieren und gemeinsame Projekte zu entwickeln.
Fragen gerne an Priv.-Doz. Dr. Anke Bahrmann, Dr. Petra Benzinger, Prof. Michael Denkinger and Prof. Hans-Jürgen Heppner  (Kontakt unter http://wissenschaftsforum-geriatrie.de)

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