PD Dr. med. Rupert Püllen

(21.05.2015) Heute das Morgen gestalten: Unter dem Titel „Zukunft der Medizin – Medizin der Zukunft. Geriatrie“ lädt die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) vom 3. bis 5. September zum Jahreskongress nach Frankfurt ein. Welche Themen besonders stark im Fokus stehen und welche Rolle die Nachwuchsförderung spielt, das verrät DGG-Präsident und Kongressorganisator PD Dr. Rupert Püllen im Interview.


Dr. Püllen, das Motto des Kongresses lautet: „Zukunft der Medizin – Medizin der Zukunft. Geriatrie“. Was genau ist darunter zu verstehen?
Das Motto soll anregen, sich Gedanken über die Gegenwart und Fortentwicklung der Medizin zu machen. Auch Kollegen anderer Fachrichtungen sind hierzu eingeladen – interdisziplinärer Dialog und Gedankenaustausch sind immer bereichernd! Ich kann meinen Kollegen daher nur empfehlen, frühzeitig den Termin im Kalender freizuhalten. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!

Welche Themen stehen im Fokus?
Das Spektrum ist breit. Interessant ist sicherlich das Thema Alterstraumatologie. Wir konnten einen Autoren der Lancet-Studie über die Behandlung älterer Patienten nach hüftgelenknaher Fraktur für einen Vortrag gewinnen. Prof. Olav Sletvold von der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Trondheim in Norwegen wird im Rahmen eines Symposiums über diese für die Geriatrie sehr wichtige und positive Studie berichten.

Darüber hinaus steckt der Tagungsort Frankfurt selbst auch voll spannender Medizingeschichte, nicht wahr?
Ja, Frankfurt an sich ist sehr interessant, weil hier vor über 100 Jahren Alois Alzheimer die nach ihm benannte Krankheit entdeckt und erstmals beschrieben hat. An einigen Stellen in der Stadt kann man heute noch seinen Spuren folgen und Medizingeschichte lebendig werden lassen. Zu dem Thema wird daher auch Prof. Dr. Johannes Pantel eine Keynote-Lecture halten.

Wie sieht denn Ihre eigene Vision für die Medizin der Zukunft aus? In einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ haben Sie kürzlich geschrieben, dass ein Umdenken notwendig sei: weg von „Hauptsache gesund“, hin zu „Hauptsache selbständig“.
Der ältere Mensch wird in der Medizin der Zukunft eine sehr große Rolle spielen. Dadurch verändert sich die Gewichtung der Behandlungsziele. Wir sind bisher sehr krankheitsorientiert. Es nützt dem Patienten aber wenig, wenn zwar die Erkrankung erfolgreich behandelt wurde, er aber während des Krankenhausaufenthalts immobil geworden ist. Zumal betagte Patienten häufig an mehreren Krankheiten gleichzeitig leiden und diese nicht alle gleichermaßen behandelt werden können – Stichwort Multimedikation Hier gilt es verstärkt abzuwägen und vernetztes Denken innerhalb der Ärzteschaft zu fördern. Die Wahrung der Selbständigkeit spielt eine wichtige Rolle, denn diese trägt entscheidend zur Lebensqualität der Patienten bei.

Hat das Kongress-Motto auch eine politische Dimension? Braucht die Geriatrie mehr öffentliche Unterstützung, um ihrer wachsenden Bedeutung in einer alternden Gesellschaft gerecht zu werden?
Unterstützung und Aufmerksamkeit sind ganz, ganz wichtig. Ich denke aber, dass die Macht der Fakten wesentlich dazu beitragen wird, um zu überzeugen. Damit meine ich nicht nur den wachsende Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung, sondern auch die Tatsache, dass manche Aspekte der Medizin für sich allein genommen bei multimorbiden, geriatrischen Patienten nicht zukunftsfähig sind. Unbedingt notwendig ist daher die Einführung des Facharztes Innere Medizin mit Schwerpunkt Geriatrie. Aufgrund komplexer, bürokratischer Prozesse geht dies leider nicht so schnell wie erhofft. Da müssen wir uns noch in Geduld üben. An den Universitäten sieht die Situation dagegen sehr erfreulich aus. Immer mehr Hochschulen entscheiden sich, Lehrstühle für Geriatrie aufzubauen.

Apropos Nachwuchs: Wie kann dieser für die Altersmedizin begeistert werden? Gibt es spezielle Angebote seitens der DGG?
Das Wichtigste für die Nachwuchsgewinnung sind Vorbilder in den Universitäten und Krankenhäusern, die ihre Begeisterung für das Fach an junge Menschen übertragen. Aber auch unser Kongress kann als Anstoß dienen. So bieten wir neben vergünstigten Eintrittspreisen ein Kongressstipendium an, für das sich Studenten und Assistenzärzte bis zum 15. Juni bewerben können. Das umfasst kostenlosen Einlass sowie eine Reisekostenpauschale von 300 Euro. Zum anderen sind jeweils drei Plätze in den Fortbildungskursen der DGG-Fortbildungsakademie exklusiv und kostenlos für Studierende oder Assistenzärzte reserviert. Auch hierfür kann man sich vorab bewerben. Darüber hinaus bietet Dr. Gabriele Röhrig-Herzog, Oberärztin am St. Marien-Hospital in Köln, allen Interessierten an, einmal selbst zu erleben, wie es ist, alt und eingeschränkt mobil zu sein. Hierfür streifen sich Teilnehmer einen Alterssimulationsanzug über und absolvieren einen Aufgabenparcours. Sicherlich ein spannendes Erlebnis!


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