Prof. Dr. Johannes Pantel

(17.06.2015) Rund 1,5 Millionen Menschen sind in Deutschland an Demenz erkrankt, zwei Drittel von ihnen an Alzheimer. Und die Zahl steigt: Jedes Jahr kommen 40.000 Fälle mehr hinzu. Vor fast genau 110 Jahren von Alois Alzheimer entdeckt, ist die Krankheit bis heute unheilbar. Welche neuen Hoffnungen es gibt, erläutert Prof. Dr. Johannes Pantel, Inhaber der Professur für Altersmedizin mit Schwerpunkt Psychogeriatrie der Goethe-Universität Frankfurt, beim dortigen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). In seiner Keynote-Lecture „Alzheimer: Von Auguste Deter bis heute – state of the art“ spricht er über den aktuellen Stand der Forschung und innovative Studienansätze.

Ein Wort mit Widerhall, ein Wort, das Angst bereitet: Alzheimer. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage für die DAK-Krankenkasse fürchten sich 49 Prozent der Deutschen vor der Demenz-Erkrankung. Nur noch Krebs bereitet ihnen mehr Angst (69 Prozent). Von den Befragten, die sich Sorgen machen zu erkranken, begründen dies jeweils 79 Prozent damit, dass es jeden treffen könne bzw. weil sie dann auf Pflege angewiesen wären. 76 Prozent fürchten sich vor der Krankheit, weil sie bislang unheilbar ist – und das fast genau 110 Jahre nach ihrer Entdeckung durch den Neurologen Alois Alzheimer.

„Alzheimer ist noch heute für viele Patienten wie eine Hiobsbotschaft“, sagt Pantel. „Man kann die Krankheit nicht aufhalten, aber zumindest mit Medikamenten und anderen Behandlungen mehr Jahre in guter Lebensqualität gewinnen.“


Technischer Fortschritt ermöglicht bessere Forschung

Der 52-Jährige hat sich schon früh für das Thema interessiert und auch darüber habilitiert. Seit 2004 ist er ehrenamtlicher Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Frankfurt, die Betroffene und Angehörige unterstützt. Seine Keynote-Lecture wird einen Bogen von der Entdeckung der Krankheit bis in die Gegenwart schlagen – von Alzheimers Begegnung mit der Patientin Auguste Deter 1901 in Frankfurt bis hin zu aktuellen Studien. Pantel wird Erfolge in der Forschung aufzeigen, aber auch nicht die Fehlschläge aussparen.

„Der Durchbruch in der Behandlung ist bislang nicht geschafft worden“, sagt er. Erst in den vergangenen Jahren und dank des Fortschritts der Technik war es überhaupt möglich, die genauen Abläufe im Gehirn zu verstehen. So ist es erst vor einigen Jahren durch nuklearmedizinische Tracer möglich geworden, an der lebenden Person die von Alois Alzheimer erstmals beschriebenen Ablagerungen des Moleküls Amyloid-β in verschiedenen Regionen des Gehirns darzustellen und zu quantifizieren. „Das ist eine Methodik, die wird jetzt erst allmählich in die Studien eingeführt, aber es ist noch lange nicht Teil der Routinediagnostik.“


Kooperation mit dem Städel Museum

Nach wie vor erkranken jedes Jahr rund 300.000 Menschen in Deutschland an Demenz. Insgesamt sind heute schon fast 1,5 Millionen betroffen, bis 2050 wird sich die Zahl verdoppeln. Grund ist die demographische Entwicklung: Es gibt mehr Neuerkrankungen als Sterbefälle. Die Pharmabranche investiert Milliarden in die Forschung, doch bislang ohne greifbares Ergebnis, wie Pantel trocken bilanziert: „Man hat mit Studien, die neue Substanzen erproben, bisher nur Enttäuschungen erlebt. Das muss man leider sagen. Prognosen lassen sich keine machen. Da bin ich sehr vorsichtig geworden.“

Hoffnung, das Leben trotz Krankheit reich an wertvollen Momenten zu machen, gibt die wissenschaftliche Pilotstudie „Artemis“, die Pantel leitet: Im Frankfurter Städel Museum entdecken Demenzkranke und ihre Angehörigen bei Führungen und Malkursen fast verschüttete Fähigkeiten. Untersucht werden dabei die Auswirkungen der aktiven und interaktiven Beschäftigung mit Kunst auf den Krankheitsverlauf. Pantel ist begeistert: „Das ist ein ganzheitlicher Ansatz. Hiermit kann es uns gelingen, das Wohlbefinden des Patienten zu verbessern, die Lebensqualität zu stützen und die Kommunikationsfähigkeit neu zu erschließen.“


Zur Person:

Prof. Dr. Johannes Pantel hat Medizin, Philosophie und Psychologie an den Universitäten Münster, Heidelberg und London studiert, bevor er 2001 an der Universität Heidelberg habilitierte. Im Jahr 2003 wurde er auf die Stiftungsprofessur Gerontopsychiatrie der Goethe-Universität Frankfurt berufen. Seit 2011 leitet er den Arbeitsbereich Altersmedizin am örtlichen Institut für Allgemeinmedizin. Am Universitätsklinikum war er zusätzlich über viele Jahre unter anderem als Leiter der Gerontopsychiatrie sowie als stellvertretender und kommissarischer Klinikdirektor tätig.

Seine mit mehreren Preisen ausgezeichnete Forschungstätigkeit widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Früh- und Differentialdiagnostik der Demenzen, Demenzprävention sowie Entwicklung von psychosozialen Interventionen zur Verbesserung der gerontopsychiatrischen Versorgung.

Auch ehrenamtlich ist Prof. Dr. Pantel engagiert: Er ist langjähriger Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Frankfurt und Mitbegründer des Frankfurter Forums für Interdisziplinäre Alternsforschung.

 

Jahreskongress der DGG in Frankfurt am Main
3. bis 5. September 2015

Prof. Dr. Johannes Pantel, Frankfurt am Main
Keynote-Lecture: „Alzheimer: Von Auguste Deter bis heute – state of the art“
4. September 2015, 10 Uhr