Ärztin spritzt ältere Patientin

(05.09.2016) „Nach gründlicher Analyse aller verfügbaren Studien empfiehlt die STIKO auch weiterhin für alle Personen ab dem Alter von 60 Jahren eine alleinige Impfung mit PPSV23.“ Nach dieser in der vergangenen Woche veröffentlichten neuen STIKO-Empfehlung zur Pneumokokken-Schutzimpfung, nimmt die AG Impfen dieses Thema zum Anlass, während des AG-Treffens in Stuttgart über mögliche Reaktionen aus den Reihen der Altersmediziner zu diskutieren. Das Treffen findet am Mittwoch, den 07.09.16, von 14:00-15:00 Uhr im Studio B statt. „Wer ebenfalls weiterhin Vorzüge für PCV13 sieht oder durch Studien, eigene Erfahrungen oder weitere Evidenz eine Meinung zu diesem Thema hat, ist herzlich eingeladen, diesem Treffen beizuwohnen!“, sagt Prof. Hans-Jürgen Heppner. Denn er ist überzeugt: „Der Konjugatimpfstoff PCV13 ist wirksamer für ältere Menschen als der Polysaccharidimpfstoff PPSV23!“

Leider ist es nun so, dass es in Deutschland mit der neuen Veröffentlichung der STIKO zwei gänzlich unterschiedliche Empfehlungen gibt, da die neue „S3-Leitlinie Ambulant erworbene Pneumonie“  genau konträr zur STIKO argumentiert. Dies wird sicher zu  einer unnötigen Verunsicherung bei den Kolleginnen und Kollegen führen. Bleibt außerdem noch abzuwarten, wie sich der Gemeinsame Bundesausschus (GBA) entscheidet.

Bereits zum Jahresanfang waren sich die Experten der DGG und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) einig und veröffentlichten ein Positionspapier sowie im März eine Pressemeldung, um die Vorzüge für PCV13 für ältere Patienten durch Evidenz zu unterstreichen.

Hier die Pressemeldung des Robert Koch-Instituts vom 29.08.2016 im Wortlaut:

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) hat ihre neuen Empfehlungen im Epidemiologischen Bulletin 34/2016 veröffentlicht. Im Mittel­punkt steht die Überarbeitung der Empfehlungen zur Pneumo­kokken-Schutz­impfung für Senioren und andere gefährdete Risiko­gruppen. Außerdem gibt die STIKO erstmals Hinweise zur Ver­ringe­rung von Schmerz- und Stress­reak­tionen beim Impfen.

Pneumokokken stellen in Europa die Haupt­ursache von bakteriellen Lungen­ent­zün­dungen dar. Die STIKO schätzt, dass jedes Jahr mehr als 5.000 Menschen in Deutsch­land an den Folgen einer Pneumo­kokken-Erkrankung sterben. Besonders gefährdet sind Kinder unter 2 Jahren, Menschen ab 60 Jahren sowie Kinder, Jugend­liche und Erwach­sene mit bestimmten Grund­krank­heiten, z.B. Personen mit einer Immun­schwäche oder mit chroni­schen Krank­heiten des Herzens oder der Lunge.

Neben dem bereits seit 1983 zugelassenen 23-valenten Pneumo­kokken-Poly­saccha­rid­impf­stoff (PPSV23) steht seit einigen Jahren mit dem 13-va­len­ten Pneumo­kokken-Konjugat­impf­stoff (PCV13) ein zweiter Impf­stoff für die Impfung von Er­wach­senen zur Ver­fü­gung. Dies hat die STIKO veranlasst, ihre Emp­feh­lungen zur Pneumo­kokken-Impfung für Erwachsene zu über­arbeiten. Nach gründ­licher Analyse aller ver­füg­baren Studien empfiehlt die STIKO auch weiter­hin für alle Personen ab dem Alter von 60 Jahren eine alleinige Imp­fung mit PPSV23. PPSV23 hat gegen­über PCV13 den Vor­teil, gegen ein deut­lich breiteres Spektrum (nämlich 23 statt 13) der insgesamt über 90 Pneumo­kokken-Sero­typen zu schützen. Nur für Personen mit einer Immun­schwäche und einige wenige weitere Risiko­gruppen ist eine zusätz­liche Impfung mit PCV13 sinn­voll. Für Kinder unter 2 Jahren gilt weiter­hin die Empfehlung der routine­mäßigen Impfung mit Konjugat­impfstoff, weil sie nach Impfung mit PPSV23 keine aus­reichende Immun­ant­wort ent­wickeln.

Eine bessere Umsetzung der Impf-Emp­feh­lungen ist dringend wünschens­wert: bis­lang sind nur 31 Prozent der Senioren (im Alter von 65 bis 79 J.) gegen Pneumo­kokken geimpft. Das zeigen Daten der Deutschen Erwachsenen­gesund­heits­studie DEGS des Robert Koch-Instituts. Die Pneumo­kokken-Impfung kann beim gleichen Impf­termin durch­ge­führt werden wie die Grippe­schutz­impfung, die eben­falls für Ältere und für chronisch Kranke aller Alters­stufen empfohlen ist.

Schmerzen und Stressreaktionen können bei jeder Impfung und in jedem Alter auftreten. Die Sorge davor kann die Ein­stellung gegenüber dem Arzt­besuch, dem Impfen und die Akzeptanz von Impfungen ein Leben lang be­ein­träch­tigen. Die STIKO gibt erst­mals generelle Hin­weise zur Verringerung von Schmerz- und Stress­reak­ionen beim Impfen. Zu den Empfehlungen gehören Hin­weise auf bestimmte Injektions­techniken, schmerz­stillende Medikamente und alters­abhängige Ablenkungs­methoden.

Eine ausführliche Darstellung aller Neuerungen und die wissenschaftlichen Begründungen werden in den Ausgaben 35 bis 37 des Epidemiologischen Bulletins veröffentlicht.