Geriatrie an der Universität

(14.12.2016) Immer mehr Universitäten der Bundesrepublik setzen auf die Geriatrie als ein Standbein des modernen Medizinstudiums und Wissenschaftsbetriebs. Allein in diesem Jahr wurden drei neue Professuren geschaffen. Geriatrische Lehrstühle in Neuruppin und Oldenburg sowie Göttingen und Mainz befinden sich derzeit im Aufbau oder werden neu besetzt. Wer sich wo mit welchen Themen befasst, zeigt unser Überblick. Er dokumentiert mit dem breiten Themenspektrum in Forschung und Lehre die Vielfältigkeit unseres Fachs.

Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen
Der neue Lehrstuhl für Altersmedizin ist durch Professor Dr. Cornelius Bollheimer besetzt. Der Lehrstuhl wird insbesondere medizintechnische Lösungen für geriatrische Patienten erforschen.
Er ist das Herzstück eines neuen interdisziplinären universitären Zentrums für Altersmedizin, das die Uniklinik RWTH Aachen gemeinsam mit dem Franziskushospital Aachen aufbaut – mit dem Ziel, erstmals für die Region eine ganzheitliche Altersmedizin anzubieten, die gleichzeitig auch translationale Forschung auf diesem wichtigen Themenfeld betreibt.

Charité – Universitätsmedizin Berlin
Seit April 2015 leitet Professorin Dr. Ursula Müller-Werdan den Lehrstuhl Geriatrie der Charité in Berlin. Sechs Teams forschen hier in den Bereichen Geriatrie und Stoffwechselerkrankungen.
In der Arbeitsgruppe „Alter & Technik“ werden beispielsweise neue Technologien entwickelt, die zur Erhaltung von Gesundheit und Selbstbestimmtheit beitragen. Genomische Integrität und Telomerbiologie sind zwei große Themen der AG „Biologie des Alterns“. Drei weitere Forschungsgruppen befassen sich mit der Ernährung und Körperzusammensetzung geriatrischer Patienten, mit dem Lipidstoffwechsel und der Pflegeforschung.
 
Ruhr-Universität Bochum
PD Dr. Rainer Wirth übernahm zu Beginn des Semesters den bereits bestehenden Lehrstuhl für Geriatrie der Ruhr-Universität Bochum und damit verbunden auch die Leitung der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation in der Universitätsklinik Marienhospital Herne. Wirth ist seit vielen Jahren Sprecher der AG Ernährung und Stoffwechsel der DGG – nicht verwunderlich also, dass er auch in der neuen Position dieses Thema voranbringen möchte. Darüber hinaus hat er sich die Erforschung von Sarkopenie und Schluckstörungen im Alter auf die Fahne geschrieben.

Universität Duisburg-Essen
Als erster Neurologe hat Professor Dr. Richard Dodel den Ruf der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen für das Fach Geriatrie erhalten. Der neue Lehrstuhl ermöglicht die Konzentration von Forschung, Lehre und Krankenversorgung in einem geriatrischen Zentrum. Seine Tätigkeit als Chefarzt nimmt Dodel als Neurologe in einer Doppelspitze mit PD Dr. Ulrich Thiem, Internist und Geriater, im Geriatrie-Zentrum Haus Berge in Essen wahr. Mit dem eingeschlagenen neurologisch-internistischen Weg verfolgt das Geriatrie-Zentrum Haus Berge eine neue Idee: Beide Mediziner werden das geriatrische Leistungsangebot gemeinschaftlich verantworten und medizinisch-inhaltlich weiterentwickeln.

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Seit 2001 ist Professor Dr. Cornel Sieber Direktor des Instituts für Biomedizin des Alterns (IBA) und Lehrstuhlinhaber der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Die Forschung am IBA ist sowohl klinisch-epidemiologisch als auch experimentell ausgerichtet. Sie konzentriert sich auf die Bereiche Ernährung und Stoffwechsel im Alter, Sarkopenie und Frailty.

Universität Hamburg
Im Herbst 2002 wurde Professor Dr. Wolfgang von Renteln-Kruse auf die Stiftungsprofessur für Geriatrie und Gerontologie an die Universität Hamburg berufen. Seither werden Medizinstudenten dort im Bereich Altersmedizin ausgebildet. Von Renteln-Kruse leitet außerdem das Zentrum für Geriatrie und Gerontologie und ist Chefarzt der Medizinisch-Geriatrischen Klinik des Albertinen-Haus in Hamburg. Die dort gewonnenen Kenntnisse aus Forschung und Praxis dienen als Grundlage der Lehre. Zum Schwerpunkt „Gesundheitsförderung und Prävention im Alter“ finden außerdem zusätzliche Lehrveranstaltungen statt, u.a. an der Medizinischen Hochschule Hannover und der Akademie für das Öffentliche Gesundheitswesen in Düsseldorf.

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Professor Dr. Jürgen Bauer, DGG-Präsident, übernahm im September 2016 den neu geschaffenen  Lehrstuhl für Geriatrie an der Universität Heidelberg und die Stelle des Ärztlichen Direktors des AGAPLESION BETHANIEN KRANKENHAUS HEIDELBERG. Bauer hat ein bevorzugtes Forschungsinteresse an der Behandlung des funktionellen Abbaus (Sarkopenie, Frailty) im Alter durch Training und Ernährung, wobei letztere innovative Substanzen einschließt. Ferner stehen Studien zur Technikunterstützung bei Mobilitäts- und ADL-Einbußen sowie Ansätze zum verbesserten Umgang mit der Polypharmazie im Mittelpunkt.  

Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Nürnberg
Im Juni 2015 wurde Professor Dr. Markus Gosch zum Universitätsprofessor der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität für Geriatrie in Nürnberg ernannt. Der Facharzt für Innere Medizin und klinische Geriatrie setzt seine wissenschaftlichen Schwerpunkte auf Polypharmazie, Pharmakotherapie im Alter, Osteoporose, Alterstraumatologie, Delir sowie kardiovaskuläre Erkrankungen im Alter.

Universität Ulm
Bereits im März 1995 schlossen sich verschiedene Einrichtungen zum Geriatrischen Zentrum Ulm/Alb-Donau (GZU) zusammen. Unter ihnen die AGAPLESION BETHESDA KLINIK ULM und die Universität Ulm (Universitätsklinikum Ulm). Chefarzt der AGAPLESION BETHESDA KLINIK ULM, Professor Dr. Michael Denkinger, ist Vorsitzender des GZU-Lenkungsausschusses. Neben den kurativen und rehabilitativen Aspekten der Krankheiten des Alterns und des alternden Menschen werden in Ulm auch palliative und präventive Inhalte gelehrt. Seminare werden hierbei in Zusammenarbeit mit den Fachbereichen Unfallchirurgie und Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie sowie Allgemeinmedizin durchgeführt.

Universität Witten/Herdecke
Der Lehrstuhl für Geriatrie der Universität Witten/Herdecke ist am Helios Klinikum Schwelm angesiedelt. An der Klinik für Geriatrie liegt der Schwerpunkt auf Gang- und Standschwierigkeiten, Hirnleistungsproblemen und der ganzheitlichen Behandlung geriatrietypischer Syndrome wie Sturzerkrankung, Inkontinenz, Ernährungsstörungen. Spezialgebiete des Hauses unter Chefarzt Professor Dr. Hans Jürgen Heppner sind unter anderem die Frührehabilitation bei Schlaganfällen oder neurodegenerativen Erkrankungen sowie die spezielle Diagnostik und Therapie der dementiellen Erkrankungen.

Kontaktdaten zu allen Lehrstühlen finden Sie auf unserer Internetseite zur Geriatrie an der Universität.