DGG-Präsident Prof. Dr. med. Jürgen M. Bauer

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

das Kalenderjahr neigt sich dem Ende zu und es ist daher ein guter Zeitpunkt, um auf die vergangenen zwölf Monate zurückzublicken.

2017 war für die Geriatrie kein einfaches, und sicherlich auch kein in jeder Hinsicht erfolgreiches Jahr. Unseren Bestrebungen, einen Facharzt für Geriatrie und Innere beziehungsweise für Geriatrie und Neurologie im Rahmen der Novellierung der Musterweiterbildungsordnung zu schaffen, wurde eine deutliche Absage erteilt. Unser Vorhaben ist dabei nicht nur am Widerstand der Allgemeinärzte gescheitert. Auch unter den Vertretern zahlreicher weiterer Fachdisziplinen gab es große Vorbehalte. Aus diesem Grund können wir dieses Ziel zunächst nicht wie gehofft realisieren. Wir werden dennoch an ihm festhalten. Allerdings ist es nun erneut offen und von uns zu diskutieren, wie der zukünftige Facharzt für Geriatrie beschaffen sein wird. Dass er irgendwann kommen wird, daran scheint auch die Bundesärztekammer nicht zu zweifeln.

Gegenwärtig sind wir mit der Weiterentwicklung der Zusatzweiterbildung Geriatrie befasst, deren Fortgang Sie unter anderem im Internet verfolgen können. Insgesamt ist festzustellen, dass Entscheidungen in der ärztlichen Berufspolitik sehr stark von den Interessen einzelner, teilweise sehr einflussreicher Gruppen dominiert werden. Für unser Fach folgert aufgrund unserer begrenzten politischen Repräsentanz daraus, dass Diplomatie und Kommunikation auf vielen Ebenen weiterhin gefragt sind, um die Aussicht, wichtige Ziele zumindest mittelfristig zu verwirklichen, entscheidend zu verbessern. Seien Sie durch die aktuellen Umstände nicht entmutigt, sondern arbeiten Sie auf Bundes- und auf Kammerebene mit daran, die Situation zu verbessern.

Die Darstellung der Geriatrie in der Öffentlichkeit entsprach im zurückliegenden Jahr nicht immer unseren Vorstellungen – zum Beispiel der Barmer-Report –, allerdings ließ sich auch bei diesen Gelegenheiten feststellen, dass die Geriatrie in Deutschland als essenzieller Teil der medizinischen Versorgungslandschaft wahrgenommen und sie in wichtigen Fragen nicht mehr schlicht übersehen wird, wie dies früher doch bisweilen der Fall war. Somit sind wir in der breiten Öffentlichkeit angekommen und als Gesprächspartner akzeptiert, wenngleich wir damit rechnen müssen, dass sich zukünftig auch andere medizinische Disziplinen zum Thema „alter Patient“ vermehrt äußern werden. Die Geriatrie besitzt hier kein Recht auf Ausschließlichkeit. Es gilt jedoch, im Dialog mit den Kollegen unsere große Kompetenz und Erfahrung deutlich zu machen, um gewissermaßen als „Superspezialisten“ für den alten Patienten wahrgenommen und schließlich auf breiter Front akzeptiert zu werden.

Um dies zu erreichen, bedarf es in den nächsten Jahren einer weiteren Vertiefung der Inhalte unseres Faches. Gelingt es uns, diese Anstrengung erfolgreich zu bewältigen, dürfte auch der Weg zum Facharzt gebahnt sein. Ein Beleg dafür, dass wir uns als Gesellschaft in die richtige Richtung bewegen, ist die steigende Qualität und Professionalität, die unsere Kongresse auszeichnen. Dafür möchte ich allen Beteiligten noch einmal von Herzen danken.

Engagieren Sie sich bitte auch zukünftig leidenschaftlich für unser Fach, damit es im Sinne unserer Patienten die Entwicklung erfährt, die es bereits heute verdient.

Mit besten kollegialen Grüßen,
Ihr Jürgen Bauer