PD Dr.  Werner Hofmann, Präsident der DGG(22.04.2013) Eine interaktive Fortbildung nach dem neuen Curriculum Geriatrie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) startet am 23. April in Schleswig-Holstein. Ärzte aus Klinik und Praxis erhalten in drei Blöcken zu je 20 Stunden einen Ein- und Überblick in die Geriatrie. Im Dezember hatte die Bundesärztekammer dem Curriculum zugestimmt. Worauf die Fachgesellschaft zuarbeitet, erläutert Priv.-Doz. Dr. Werner Hofmann, Past-President der DGG und wissenschaftlicher Leiter der Fortbildung in Schleswig-Holstein.

Die Bundesärztekammer hat im Dezember 2012 dem von der DGG ausgearbeiteten 60-Stunden-Curriculum „Geriatrische Grundversorgung“ zugestimmt. Was ist das Besondere an dem Curriculum?
Dr. Hofmann: Der Praxisbezug. Da nicht nur das „Kennen“ altersassoziierter Erkrankungen, sondern vor allem das „Können“ im Umgang mit diesen und das Beherrschen von Problemen so wichtig ist, besteht das Curriculum aus interaktiven Anteilen zum Mitmachen. Nicht nur die altersmedizinischen Fragen, sondern Versorgungspfade, rechtliche Belange, Wohnraumanpassung, palliative Geriatrie und vieles andere mehr sind enthalten.

Warum ist eine solch anerkannte Fortbildung für das Fach so wichtig?
Dr. Hofmann: Ich empfinde die hausärztliche Versorgung in Schleswig-Holstein als fachlich sehr hochstehend und im persönlichen Einsatz der Kollegen außerordentlich engagiert. Die Geriatrie bietet darüber hinaus wichtiges, zusätzliches Wissen an. Multimorbidität und Funktionseinschränkungen älterer Patienten brauchen eine besondere Zugangsweise. Die Probleme älterer Patienten sind umfassender, nicht nur auf bestimmte Organe beschränkt. In Deutschland hat sich seit den 1990er-Jahren (international schon einige Jahrzehnte länger) dafür ein guter Fundus an Wissen und Expertise entwickelt. Es ist besonders wichtig, diesen systematisch und strukturiert zu vermitteln.

An wen richtet sich die Fortbildung in erster Linie und was erhofft sich die DGG mittelfristig davon?
Dr. Hofmann: Das Curriculum Geriatrie richtet sich an Vertragsärzte und an Kliniker. Der Hausarztbereich steht im Vordergrund, auch viele junge Ärzte aus geriatrischen Klinikabteilungen nehmen teil, man kann das Curriculum auch als Einarbeitungskonzept in die Geriatrie verstehen.
Ich möchte die Versorgung in den Heimen ansprechen: Während diese von Seiten der Hausärzte sicher gut gewährleistet wird, ist die neurologisch-psychiatrische, HNO-ärztliche, urologische, augenärztliche und andere Versorgung in den Heimen mehr als mangelhaft. Ich freue mich daher sehr, dass auch Kollegen aus den genannten Fachgebieten teilnehmen.

Worauf arbeitet die DGG hin?
Dr. Hofmann: Der Facharzt Innere Medizin und Geriatrie kommt hoffentlich mit der neuen Musterweiterbildungsordnung im Jahr 2014. Gerade darum ist es so wichtig, den Hausärzten, aber auch allen anderen Fachgebieten, gut strukturierte und hochwertige Qualifizierungsangebote in der Geriatrie anzubieten – wie jetzt mit dem 60-Stunden-Curriculum geschehen. Qualität und gute Inhalte, die sich am Versorgungsbedarf älterer Patienten orientieren, sind uns besonders wichtig. Das Curriculum wird daher wissenschaftlich evaluiert und regelmäßig weiterentwickelt.
Die DGG arbeitet an einer verbesserten Anerkennung der Ärzte, die alte Menschen behandeln. Die Tatsache, dass „Geriatrische Grundversorgung“ nach einer Prüfung vor der Ärztekammer eine auf dem Praxisschild führbare Bezeichnung werden soll, drückt diese Anerkennung aus.


Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie im DGG-Kongresskalender ...