Ob Studie oder Forschungsprojekt, weltweit arbeiten Wissenschaftler am Thema Altersmedizin, um zu zeigen: Geriatrie wirkt.
Die spannendsten Ergebnisse im Überblick.

Eine im März 2017 veröffentlichte große Untersuchung konnte den Nutzen einer geriatrischen Mitbehandlung alterstraumatologischer Patienten belegen (1). Dabei wurden nahezu 200 000 Patienten aus 150 Krankenhäusern in England untersucht, die zwischen April 2010 und Februar 2014 wegen einer hüftgelenknahen Fraktur stationär behandelt wurden. Die Studie ermittelte den zeitlichen Aufwand, mit dem Geriater bei diesen Patienten aktiv waren. Waren es zu Beginn der Untersuchungszeit 2010 etwa 1,5 Stunden geriatrische Mitbehandlung pro Patient, so stieg dieser Wert 2013 auf insgesamt 4 Stunden pro Patient. Dieser Anstieg um 2,5 Stunden pro Patient ging einher mit einer Verminderung der 30 Tage - Sterblichkeit um 3,4 %. Diese Assoziation zwischen Sterblichkeit und Einsatz von Geriatern zeigte sich auch unter Berücksichtigung von Patientencharakteristika wie Lebensalter und Komorbidität.

Bei jährlich etwa 65 000 älteren Patienten mit hüftgelenknahen Frakturen in Großbritannien verhindert die zusätzliche geriatrische Mitbehandlung etwa 200 Todesfälle pro Jahr, so jedenfalls die Schlussfolgerung der Autoren dieser Studie.

Literatur:
1.Neuburger J., et al: Increased orthogeriatrician involvement in hip fracture care and its impact on mortality in England
Age and Ageing 2017; 46: 187-193

Kognitiv beeinträchtigte geriatrische Patienten: Patientenmerkmale und Behandlungsergebnisse auf einer spezialisierten Station

Hintergrund: In Krankenhäusern steigt die Zahl 80-jähriger und älterer Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen und erhöhtem Risiko für komplizierte Behandlungsverläufe. Um dieser Herausforderung zu begegnen, wird evaluiert, ob diese Patienten auf einer spezialisierten geriatrischen Station für „Kognitive Geriatrie“ angemessen behandelt werden können.

Methode: Beobachtung einer Kohorte vom Jahr 2009 bis 2014 (N = 2 084) und ergänzende Untersuchung einer Teilstichprobe der Krankenhauskohorte LUCAS („Longitudinal Urban Cohort-Ageing-Study“) (N = 380) vom Jahr 2010 bis 2011.

Ergebnisse: Geriatrische Akutpatienten mit kognitiver Beeinträchtigung sind multimorbid. Jeder zweite Patient (1 031/2 084) erreichte das Krankenhaus als Notfall. Verlegungsbedürftige Komplikationen auf der Station betrafen 2,6 % (51/2 084) der Patienten. Die Behandlung ging mit einer Verbesserung funktionaler Kompetenz einher, die in der Teilstichprobe erfasst wurde. So war der Barthel-Index Gesamtscore von 39,8 ± 24,3 (Median: 35) bei Aufnahme auf 52,7 ± 27,0 (Median: 55) bei der Entlassung gestiegen. Die Zahl der Patienten mit medikamentöser Mehrfachbehandlung (≥ 5 Wirkstoffe) reduzierte sich von 98,2 % (373/380) auf 79,3 % (314/362) bei Entlassung. Bei denjenigen mit potenziell inadäquater Medikation (PIM) gemäß PRISCUS-Liste verringerte sich diese von 45 % auf 13,3 %. Am Verordnungsaufkommen sank der Anteil von PIM von 7,8 % (327/4 181) auf 2,0 % (53/2 600). Entlassungen der Patienten erfolgten zu 70 % in die Lebensumgebung vor dem Krankenhausaufenthalt.
Schlussfolgerung: In dieser Kohortenstudie erfolgte eine strukturierte Behandlung bei akut erkrankten geriatrischen Patienten mit kognitiver Beeinträchtigung. Die Therapie war mit einer Verbesserung alltagsrelevanter Funktionen und der Reduktion der Multimedikation assoziiert. Kontrollierte Untersuchungen sollten den Nutzen verifizieren.

Hier geht es zur Zusammenfassung der Originalstudie im deutschen Ärzteblatt

Evaluation eines Versorgungskonzepts für die Altertraumatologie: Bestimmung der Krankenhausverweildauer und Mortalität in einer prospektiven Fallserie mit historischen Kontrollen

Hintergrund: Trotz der zunehmenden Anzahl geriatrischer Patienten mit Frakturen gibt es wenige Studien, die die Wirksamkeit einer Zusammenarbeit von Unfallchirurgen und Geriatern überprüft haben.

Methode: Vor (retrospektiv, n = 169) und nach (prospektiv, n = 216) Einführung eines zertifizierten Zentrums für Alterstraumatologie (ZAT) wurden die Daten von über 75-jährigen Patienten mit Schenkelhals-, trochantären, proximalen Humerus- und Beckenringfrakturen miteinander verglichen. Zudem wurden die Daten von Jüngeren (65–74 Jahre) mit den genannten Frakturen ohne Behandlung im ZAT analysiert. Der Hauptzielparameter war die Krankenhausmortalität. Darüber hinaus wurden Häufigkeit und Dauer von Intensivstationsaufenthalten, Gesamtverweildauer sowie die anschließende Inanspruchnahme einer stationären Rehabilitation ermittelt.

Ergebnisse: Vor der Einführung des ZAT wurden 20,7 % (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI]: 14,8–27) der über 75-Jährigen auf einer Intensivstation behandelt, wohingegen nach der Implementierung 13,4 % (95-%-KI: 9,3–18,5; p = 0,057) dort versorgt wurden. Die mittlere Verweildauer auf der Intensivstation betrug 48 (95-%-KI: 32–64) versus 53 Stunden (95-%-KI: 29–77; p = 0,973). Die Krankenhausmortalität sank von 9,5 % (95-%-KI: 5,3–13,8) auf 6,5 % (95-%-KI: 3,7–9,5; p = 0,278), bei einer verlängerten Verweildauer von 13,7 (95-%-KI: 12,6–14,8) versus 16,9 Tagen (95-%-KI: 16,1–17,7; p < 0,001). Der Anteil der Entlassungen in eine stationäre Rehabilitation nahm leicht ab (53,8 % versus 49,1 %). Bezüglich der Krankenhausmortalität und Aufenthalte auf einer Intensivstation waren bei den jüngeren Patienten, die nicht in einem ZAT versorgt wurden, eher gegensätzliche Entwicklungen zu erkennen.

Schlussfolgerung: Die gleichzeitige und abgestimmte unfallchirurgische und geriatrische Behandlung kann wesentlich dazu beitragen, die akute Behandlung nach einer Fraktur bei Hochbetagten zu verbessern.

Hier geht es zur Zusammenfassung der Originalstudie im Deutschen Ärzteblatt

Comprehensive geriatric care for patients with hip fractures: a prospective, randomised, controlled trial

Eine norwegische Untersuchung belegt die Überlegenheit einer umfassenden geriatrischen Behandlung gegenüber einer rein unfallchirurgischen Behandlung bei älteren Patienten mit hüftgelenknaher Fraktur:

Insgesamt 198 Patienten wurden bereits vom Aufnahmetag in der geriatrischen Abteilung behandelt; die Operation der hüftgelenknahen Fraktur erfolgte als konsiliarische Leistung durch Unfallchirurgen der Klinik. Einer ausschließlich unfallchirurgische Behandlung wurden 199 Patienten zugelost. Nach vier und auch nach 12 Monaten war die Beweglichkeit der geriatrisch behandelten Patienten besser als die der rein unfallchirurgisch behandelten Patienten; auch bei den Alltagsaktivitäten und bei anderen Parametern zeigten sich Vorteile der geriatrisch behandelten Patienten.

Hier geht es zur Zusammenfassung der Originalstudie in The Lancet

Effects of an acute care for elders unit on costs and 30-day readmissions
Geriatrisches Behandlungskonzept im Krankenhaus: Geringere Kosten und weniger Wiederaufnahmen

Wenn ein Beitrag in einer renommierten nicht-geriatrischen Zeitschrift zu dem Schluss kommt, dass ein geriatrisches Behandlungskonzept mit Kostensenkungen und geringerer Wiederaufnahmerate verbunden ist, dann erfordert diese Publikation besonders große Aufmerksamkeit.

Zu diesem Ergebnis jedenfalls kommt eine retrospektive Kohortenstudie in einem US-amerikanischen Krankenhaus mit 818 Patienten. Verglichen wurde eine geriatrische Akuteinheit mit üblichen nicht-geriatrischen Abteilungen. Kennzeichen der geriatrischen Abteilung war im Unterschied zu anderen Abteilungen: 1. ein geriatrisches Assessment, 2. werktägliche interdisziplinäre Teamsitzungen unter Leitung eines Geriaters, 3. Entlassungsplanung vom Tag der Aufnahme an und 4. Kommunikation der Teamempfehlungen an weiter versorgende Personen. Die personelle Ausstattung der Stationen war gleich.

Die variablen Direktkosten pro Patient waren mit 2109 Dollar (Standardabweichung 1870 Dollar) auf der akut-geriatrischen Station deutlich niedriger als auf der Station mit üblicher Behandlung. Dort betrugen die Kosten im Durchschnitt 2480 Dollar (Standardabweichung 2103 Dollar p=0,009). Zu den variablen Direktkosten zählen Kosten, die einem einzelnen Patienten direkt zugeordnet werden können, wie beispielsweise Kosten für Laboruntersuchungen oder die Medikation.

Dabei bestanden zwischen den Patienten beider Stationen keine wesentlichen Unterschiede hinsichtlich demographischer Variablen, der Krankenhausmortalität und der Komorbidität. Auch Subgruppenanalysen in Abhängigkeit vom Case-Mix-Index (CMI) und unter den 25 häufigsten DRG ergaben in der akut-geriatrischen Abteilung geringere Kosten. Von den Patienten, die von der akut-geriatrischen Station aus entlassen wurden, mussten 7,3 % innerhalb von 30 Tagen erneut stationär behandelt werden; von den Patienten mit üblicher Krankenhausbehandlung waren es 11,2 % (p=0,14).

Hier geht es zur Zusammenfassung der Originalstudie in JAMA Internal Medicine

 

Geriatrisches Behandlungskonzept im Krankenhaus: Geringere Kosten und weniger Wiederaufnahmen

Wenn ein Beitrag in einer renommierten nicht-geriatrischen Zeitschrift zu dem Schluss kommt, dass ein geriatrisches Behandlungskonzept mit Kostensenkungen und geringerer Wiederaufnahmerate verbunden ist, dann erfordert diese Publikation besonders große Aufmerksamkeit.

Zu diesem Ergebnis jedenfalls kommt eine retrospektive Kohortenstudie in einem US-amerikanischen Krankenhaus mit 818 Patienten. Verglichen wurde eine geriatrische Akuteinheit mit üblichen nicht-geriatrischen Abteilungen. Kennzeichen der geriatrischen Abteilung war im Unterschied zu anderen Abteilungen: 1. ein geriatrisches Assessment, 2. werktägliche interdisziplinäre Teamsitzungen unter Leitung eines Geriaters, 3. Entlassungsplanung vom Tag der Aufnahme an und 4. Kommunikation der Teamempfehlungen an weiter versorgende Personen. Die personelle Ausstattung der Stationen war gleich.

Die variablen Direktkosten pro Patient waren mit 2109 Dollar (Standardabweichung 1870 Dollar) auf der akut-geriatrischen Station deutlich niedriger als auf der Station mit üblicher Behandlung. Dort betrugen die Kosten im Durchschnitt 2480 Dollar (Standardabweichung 2103 Dollar p=0,009). Zu den variablen Direktkosten zählen Kosten, die einem einzelnen Patienten direkt zugeordnet werden können, wie beispielsweise Kosten für Laboruntersuchungen oder die Medikation.

Dabei bestanden zwischen den Patienten beider Stationen keine wesentlichen Unterschiede hinsichtlich demographischer Variablen, der Krankenhausmortalität und der Komorbidität. Auch Subgruppenanalysen in Abhängigkeit vom Case-Mix-Index (CMI) und unter den 25 häufigsten DRG ergaben in der akut-geriatrischen Abteilung geringere Kosten. Von den Patienten, die von der akut-geriatrischen Station aus entlassen wurden, mussten 7,3 % innerhalb von 30 Tagen erneut stationär behandelt werden; von den Patienten mit üblicher Krankenhausbehandlung waren es 11,2 % (p=0,14).

Hier geht es zur Zusammenfassung der Originalstudie in JAMA Internal Medicine

Comprehensive geriatric assessment for older adults admitted to hospital

Ein wichtiger Baustein jeglicher geriatrischen Behandlung – das geriatrische Assessment - ist in seinem Nutzen evidenz-basiert. Zahlreiche vergleichende Studien haben den Nutzen des Assessments mit anschließender geriatrischer Behandlung nachweisen können. Im Gegensatz zur herkömmlichen Krankenhausbehandlung gelingt es einer geriatrischen Behandlung im Krankenhaus häufiger, einen älteren Patienten nach Abschluss der stationären Behandlung selbständig nach Hause zu entlassen. Das Cochrane Review zum geriatrischen Assessment konnte auf der Basis von 22 klinischen Studien mit insgesamt mehr als 10.000 Patienten zudem zeigen, dass auch 6 und 12 Monate nach Krankenhausentlassung mehr ältere Menschen selbständig zu Hause lebten, wenn sie in einer geriatrischen Krankenhausabteilung behandelt worden waren (Ellis et al). 

Hier geht es zur Zusammenfassung der Originalstudie in JAMA Internal Medicine

Effectiveness of acute geriatric units on functional decline, living at home, and case fatality among older patients admitted to hospital for acute medical disorders: meta-analysis

Wenn ältere Patienten akut im Krankenhaus behandelt werden müssen, dann profitieren sie in besonderer Weise von einer geriatrischen Behandlung. Denn nach einer geriatrischen Behandlung erreichen die Patienten ein höheres Maß an Selbständigkeit als nach herkömmlicher Krankenhausbehandlung. Die Wahrscheinlichkeit, im Anschluss an die Krankenhausbehandlung nach Hause entlassen zu werden, lag nach geriatrischer Behandlung um etwa 30 % höher als nach üblicher – nichtgeriatrischer – Krankenhausbehandlung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Meta-Analyse mehrerer Studien mit unterschiedlichem Design.

Hier geht es zur Originalpublikation im British Medical Journal