Kognitiv beeinträchtigte geriatrische Patienten: Patientenmerkmale und Behandlungsergebnisse auf einer spezialisierten Station

Hintergrund: In Krankenhäusern steigt die Zahl 80-jähriger und älterer Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen und erhöhtem Risiko für komplizierte Behandlungsverläufe. Um dieser Herausforderung zu begegnen, wird evaluiert, ob diese Patienten auf einer spezialisierten geriatrischen Station für „Kognitive Geriatrie“ angemessen behandelt werden können.

Methode: Beobachtung einer Kohorte vom Jahr 2009 bis 2014 (N = 2 084) und ergänzende Untersuchung einer Teilstichprobe der Krankenhauskohorte LUCAS („Longitudinal Urban Cohort-Ageing-Study“) (N = 380) vom Jahr 2010 bis 2011.

Ergebnisse: Geriatrische Akutpatienten mit kognitiver Beeinträchtigung sind multimorbid. Jeder zweite Patient (1 031/2 084) erreichte das Krankenhaus als Notfall. Verlegungsbedürftige Komplikationen auf der Station betrafen 2,6 % (51/2 084) der Patienten. Die Behandlung ging mit einer Verbesserung funktionaler Kompetenz einher, die in der Teilstichprobe erfasst wurde. So war der Barthel-Index Gesamtscore von 39,8 ± 24,3 (Median: 35) bei Aufnahme auf 52,7 ± 27,0 (Median: 55) bei der Entlassung gestiegen. Die Zahl der Patienten mit medikamentöser Mehrfachbehandlung (≥ 5 Wirkstoffe) reduzierte sich von 98,2 % (373/380) auf 79,3 % (314/362) bei Entlassung. Bei denjenigen mit potenziell inadäquater Medikation (PIM) gemäß PRISCUS-Liste verringerte sich diese von 45 % auf 13,3 %. Am Verordnungsaufkommen sank der Anteil von PIM von 7,8 % (327/4 181) auf 2,0 % (53/2 600). Entlassungen der Patienten erfolgten zu 70 % in die Lebensumgebung vor dem Krankenhausaufenthalt.
Schlussfolgerung: In dieser Kohortenstudie erfolgte eine strukturierte Behandlung bei akut erkrankten geriatrischen Patienten mit kognitiver Beeinträchtigung. Die Therapie war mit einer Verbesserung alltagsrelevanter Funktionen und der Reduktion der Multimedikation assoziiert. Kontrollierte Untersuchungen sollten den Nutzen verifizieren.

Hier geht es zur Zusammenfassung der Originalstudie im deutschen Ärzteblatt