Professor John Morley

(12.07.2017) Auf die Altersmedizin rollt ein Tsunami zu: Eine begrenzte Anzahl von Geriatern muss in Zukunft immer mehr ältere Patienten mit ihren spezifischen Bedürfnissen adäquat versorgen. Wie soll das funktionieren? Was muss sich ändern? Wie sieht die Altersmedizin der Zukunft aus? Auf Einladung der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) hat sich Professor John Morley von der Saint Louis University in den USA – einer der berühmtesten lebenden Geriater – mit dieser Frage nach den Herausforderungen der Zukunft intensiv auseinander gesetzt.

Große Bedeutung kommt Professor Morleys Meinung nach eine dieser demographischen Veränderung angemessene Ausstattung der Krankenhäuser zu: „Alle stationären Einrichtungen sollten eine Akutpflege für ältere Menschen, eine Delir-Intensivstation, eine geriatrische Notfallabteilung und eine geronto-unfallchirurgische Einheit besitzen.“ Ebenso müssen Instrumente implementiert werden, mit denen die wichtigsten geriatrischen Syndrome Gebrechlichkeit (Frailty), Muskelabbau (Sarkopenie), Mangelernährung (Anorexie) und Gedächtnisverlust (kognitiver Abbau) frühzeitig erkannt und konsequent behandelt werden können. „Und vieles davon wird computergestützt durchgeführt werden.“

Prof. Dr. Martin Wehling

(14.06.2017) Die schnelle Hilfe für ältere Patienten kommt jetzt per App. Unerwünschte Effekte von Medikamenten sind ein großes Problem bei der Behandlung alter Menschen. Falsch dosierte oder falsch angewendete Arzneimittel können zu Komplikationen führen. Damit soll jetzt Schluss sein. „Die sogenannte FORTA-App gibt den behandelnden Medizinern erstmals eine digitale Liste an die Hand, die sowohl untaugliche als auch nachweislich nützliche Arzneimittel für ältere Patienten benennt“, sagt Professor Martin Wehling (Foto), Direktor der Klinischen Pharmakologie an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Er hat die App mit seinem Team entwickelt. Die grundlegenden Daten dafür haben Mediziner der geriatrischen Kliniken in Mannheim und Essen in einer Studie zusammengetragen. „Mit unserer Entwicklung lässt sich die Fehlerquote bei der Medikamentenversorgung verringern. Zudem können Nebenwirkungen vermieden werden und nebenbei steigt die Lebensqualität der Patienten.“ Die kostenlose Android-App ist ab sofort in deutscher und englischer Version im Google-Play-Store erhältlich. Die Anwendung für Apple-Geräte soll in wenigen Monaten erscheinen.

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(05.04.2017) Es ist aktuell eines der wichtigsten Anliegen der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG): Die Einführung eines spezialisierten Facharztes Geriatrie! Nun hat sich der Bayerische Hausärzteverband öffentlich dazu geäußert. Er sieht die hausärztlichen Allgemeinmediziner durch deren Ausbildung ausreichend qualifiziert, um dem älteren Patienten in jeder Hinsicht gerecht zu werden. Dem widerspricht der DGG-Vorstand in einer direkten Stellungnahme. Gerade die Versorgung alter, oft mehrfacherkrankter Menschen ist sehr komplex und daher auf Spezialisten angewiesen. Lesen Sie hier die Stellungnahme im Wortlaut:

Prof. Dr. Hans Jürgen Heppner

(29.03.2017) Der demografische Wandel macht es zwingend notwendig, dass verstärkt Altersmediziner in die Arbeit auf Intensivstationen eingebunden werden. Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) sieht akuten Handlungsbedarf und ruft dazu auf, die internistische Intensivmedizin in Deutschland jetzt zu stärken und weiterzuentwickeln. Mehr als 20 Prozent der Menschen auf einer internistischen Intensivstation sind 80 Jahre alt und älter. Es sind klassisch geriatrische, multimorbide Patienten. Sie haben nicht nur ein internistisches Grundproblem, sondern eingeschränkte Mobilität, Verlust der Autonomie – möglicherweise sind es Patienten am Lebensende. „Dies ist eine spezielle Herausforderung, zu der sich die Geriatrie als Fachgesellschaft ganz klar bekennen muss“, sagt Professor Hans Jürgen Heppner, President-elect der DGG. „Wir sind Internisten und Geriater und wir wollen bei der akuten Diskussion um die intensivmedizinische Versorgung von kranken geriatrischen Patienten mitreden und mitarbeiten!“ Heppner fordert, nicht nur die internistische Intensivmedizin sondern vor allem die geriatrischen Besonderheiten in der Intensivmedizin nicht aus den Augen zu verlieren: „Die Position der Geriatrie auf den Intensivstationen muss gestärkt werden!“. Im Interview erklärt der Chefarzt der Geriatrie im Helios Klinikum Schwelm und Lehrstuhlinhaber an der Universität Witten/Herdecke, vor welchen Herausforderungen die Geriatrie und internistische Intensivmedizin nun stehen.

Prof. Dr. Jürgen Bauer, Präsident der DGG

(22.03.2017) Der vermutlich berühmteste lebende Geriater kommt nach Deutschland. Beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) in Frankfurt am Main wird der Amerikaner John Morley darüber berichten, welche für die Altersmedizin relevanten Entwicklungen er in den nächsten Jahren erwartet und wie er die Zukunft des Fachs generell beurteilt. Tagungspräsident Prof. Dr. Jürgen M. Bauer (Foto) hat mittlerweile drei herausragende Keynote-Speaker verpflichten können. „Die eingeladenen Kollegen gehören zur internationalen Spitze in der Geriatrie und weisen beeindruckende Karrieren auf“, wie er sagt. „Auch in diesem Jahr sind wir die wichtigste Veranstaltung für Geriater im deutschsprachigen Raum, wenn es um aktuelle Entwicklungen und die Fortbildung unter Kollegen geht“, sagt Bauer. Welche Themen vom 28. bis 30. September außerdem eine Rolle spielen, wie er die Zukunft des Fachs sieht und warum sich Geriater diesen Termin auf keinen Fall entgehen lassen sollten, darüber spricht der DGG-Präsident im Interview.