Was ist Geriatrie?

Geriatrie ist die medizinische Spezialdisziplin, die sich mit den körperlichen, geistigen, funktionalen und sozialen Aspekten in der Versorgung von akuten und chronischen Krankheiten, der Rehabilitation und Prävention alter Patientinnen und Patienten sowie deren spezieller Situation am Lebensende befasst.

Diese Patientengruppe weist einen hohen Grad an Gebrechlichkeit und Multimorbidität auf und erfordert einen ganzheitlichen Ansatz. Im Alter können sich Krankheiten mit einem veränderten Erscheinungsbild präsentieren und sind daher häufig schwer zu diagnostizieren. Therapieerfolge treten verzögert ein. In der Regel besteht zusätzlich ein Bedarf an sozialer Unterstützung. Geriatrie umfasst daher nicht nur organorientierte Medizin, sondern bietet zusätzlich Behandlung im interdisziplinären Team, welche den funktionellen Status und die Lebensqualität des älteren Patienten verbessert und seine Autonomie fördert.

Geriatrische Medizin behandelt die speziellen Erkrankungen alter Patientinnen und Patienten, diehäufig älter als 65 Jahre und multimorbide sind. Die Mehrzahl der Patienten, die von Geriatrischer Medizin profitiert, gehört der Altersgruppe der über 80-Jährigen an.

Zentrale Aufgaben in der Geriatrie

Geriatrie ist ein sehr lebendiges und vielfältiges, dynamisches Gebiet. Zu den zentralen Aufgaben der Geriatrie gehört auch die empfindsame und umsichtige Begleitung vor dem Sterben. Spezielle Merkmale der Geriatrie beinhalten folgende Punkte:

  1. In der Geriatrie begegnet man Fragestellungen aus nahezu allen medizinischen Gebieten. Eine wichtige Rolle spielt dabei die sinnvolle Zusammenarbeit mit den Organspezialisten.
  2. In der Geriatrie müssen besondere integrative Sicht- und Verhaltensweisen entwickelt werden, etwa im Hinblick auf körperliche und psychische Multimorbidität sowie hinsichlich psychosomatischer Zusammenhänge. Gute emotionale Führung und Anregung der alten Patientinnen und Patienten stellt die Grundlage nahezu jedes erfolgreichen Heilungsprozesses dar.
  3. In der Geriatrie tätig zu sein, bedeutet mehr als in den meisten übrigen Medizingebieten, Angehörige anderer helfender Berufe kennenzulernen. Hohe kommunikative Kompetenz ist dabei unerlässlich.
  4. In der Geriatrie stellen sich – angestoßen durch die zentralen Themen Alter und Lebensende – besondere ethische, philosophische, psychologische, religiöse und sozialwissenschaftliche Fragen.



Die Definition „Was ist Geriatrie“ ist der erste Teil der Übersetzung einer gemeinsamen Erklärung der EUGMS, der Vereinigung Geriatrisch-Medizinischer Gesellschaften der Europäischen Union, entstanden auf der EUGMS Tagung in Malta 2007. Sie ist von Vertretern dieser Fachgesellschaften erarbeitet und als konsentierte Definition verabschiedet worden. Die vollständige deutsche Übersetzung ist in der Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 2009, Volume 42, Number 5, Seiten 412-415 erschienen.

 

Wer ist ein geriatrischer Patient?

Geriatrische Patienten sind definiert durch

  1. geriatrietypische Multimorbidität
  2. höheres Lebensalter (meist über 70 Jahre)
    (die geriatrietypische Multimorbidität ist hierbei vorrangig vor dem kalendarischen Alter zu sehen)

oder

  1. Alter über 80 Jahre, wegen der alterstypisch erhöhten Vulnerabilität, z. B. wegen des Auftretens von Komplikationen und Folgeerkrankungen
  2. der Gefahr der Chronifizierung
  3. des erhöhten Risikos eines Verlustes der Autonomie mit Verschlechterung des Selbsthilfestatus.

 

Broschüre: Was ist Geriatrie – Definition der inhaltlichen Bestimmung geriatrischer Tätigkeit


Was ist Geriatrie?Eine umfassende Definition der inhaltlichen Bestimmung geriatrischer Tätigkeit finden Sie in der Broschüre der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie »Was ist Geriatrie« , mit insgesamt 17 Dimensionen, die wiederum 3 verschiedenen Aspekten zugeordnet sind:
   1. spezielle und eigene Wissensinhalte
   2. charakteristische Formen der Wahrnehmung und des Verstehens
   3. Erleben der Arbeit.

Die Broschüre „Was ist Geriatrie“ ist von der Expertenkommission J. Bruder, C. Lucke, A. Schramm, H.P. Tews und H. Werner nach mehreren Diskussionsrunden 1991 in Rügheim veröffentlicht worden. Anlass gab die damals weniger medizinisch als breit sozialpolitisch geführte  Demographie-Diskussion.