Älterer Mann isst zu Mittag im Klinikbett

(15.11.2017) Die S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Neurologie“ hat die nächste Entwicklungsstufe genommen und wurde auf europäischem Niveau aktualisiert. In den vergangenen zwei Jahren hat eine interdisziplinäre, internationale Arbeitsgruppe der Europäischen Fachgesellschaft für Klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) daran gearbeitet. Beteiligt war auch die Arbeitsgruppe Ernährung und Stoffwechsel der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG): „Mit der Weiterentwicklung ist es uns gelungen, neueste Erkenntnisse für Neurologen und Geriater aufzubereiten”, sagt AG-Sprecher Professor Rainer Wirth, Direktor der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation im Marienhospital Herne und Lehrstuhlinhaber für Geriatrie an der Ruhr-Universität Bochum. Die Leitlinie ist ab sofort im Fachjournal Clinical Nutrition abrufbar.

Die Leitlinie hilft, das Risiko von Mangelernährung, Dehydration und Lungenentzündungen bei Patienten mit einer neurologischen Erkrankung zu reduzieren. Besonders betroffen sind in der Regel Menschen mit Dysphagie nach einem Schlaganfall oder bei Morbus Parkinson. Die aktualisierte Leitlinie gibt auch Empfehlungen zum Umgang mit dieser medizinischen Problematik.

Fatal: Schluckstörungen können lebensbedrohlich werden

Viele Patienten haben durch ihre Erkrankung erhebliche Schwierigkeiten, sich adäquat zu ernähren. In der Konsequenz verlieren sie an Gewicht und bauen Muskulatur ab. Das wiederum führt zu Einschränkungen von Beweglichkeit und Selbständigkeit. Oft gehen damit Schluckstörungen einher, die nicht nur zu einer unzureichenden Ernährung, sondern auch zu lebensbedrohlichen Lungenentzündungen führen können. Das Fatale daran: Manche Patienten bemerken ihre Schluckstörungen nicht. In solchen Fällen können diese nur mit speziellen Untersuchungsmethoden erkannt werden, worauf in der aktualisierten Leitlinie eingegangen wird.

Internationale Entwicklung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die S3-Leitlinie wurde erstmals 2013 von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) sowie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) erstellt und publiziert. Seitens der DGG hat neben AG-Sprecher Rainer Wirth auch Dr. Andreas Leischker, Chefarzt der Klinik für Geriatrie am Alexianer-Krankenhaus Krefeld, an der internationalen Weiterentwicklung der Leitlinie mitgewirkt. In Kürze wird diese auch in der endgültigen Fassung auf der Webseite der Europäischen Fachgesellschaft für Klinische Ernährung und Stoffwechsel frei zugänglich sein.