Prof. Dr. Andreas Wiedemann

(09.03.2021) Wer Urin nicht halten kann, braucht zuverlässige Hilfsmittel. Die Produktpalette reicht dabei von Inkontinenzhosen über Vorlagen und Einlagen bis hin zu Tampons. Um das individuell passende Mittel zu finden, ist gute Beratung wichtig – und die fehlt häufig in der Praxis, wie unter anderem die Fachzeitschrift Stiftung Warentest festgestellt hat. Mit der Zielsetzung, die Versorgung hier zu verbessern, hat der Arbeitskreis „geriatrische Urologie“ eine eigene Leitlinie erarbeitet. Den Arbeitskreis leitete Prof. Dr. Andreas Wiedemann (Foto), Chefarzt der Urologischen Klinik am Evangelischen Krankenhaus Witten, Inhaber einer Professur für geriatrische Urologie am Lehrstuhl für Geriatrie der Universität Witten/Herdecke sowie Leiter der AG Harninkontinenz bei der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie.

Die Initialzündung gab ein alarmierender Beitrag von Stiftung Warentest im Jahr 2017 mit dem Titel „Kein Verlass auf Profis“: Von 20 untersuchten Anbietern – darunter Apotheken, Sanitätshäuser und Händler von Inkontinenzprodukten – schafften nur drei die Note befriedigend. Als mangelhaft oder ausreichend wurde die Patientenberatung der restlichen 17 beurteilt. „Das lag daran, dass der Prozess recht unstrukturiert und intransparent ist. Zum Beispiel fehlen die Kommunikation zwischen verordnendem Arzt und Berater oder wichtige Informationen über das benötigte Hilfsprodukt und die benötigte Beratungskompetenz“, erklärt Prof. Dr. Andreas Wiedemann. Unter seiner Leitung erstellte der Arbeitskreis „geriatrische Urologie“ von 2019 an eine neue Leitlinie, die diesen Prozess verbessern kann.

„In dieser Leitlinie haben wir Qualitätskriterien definiert, die den Versorgungsprozess genau strukturieren. Wir haben zum Beispiel erarbeitet, welche Kenntnisse über die Harninkontinenz-Therapie ein Berater haben sollte, wo und wie ein Beratungsgespräch ablaufen sollte und wie mit dem Thema Zuzahlung umzugehen ist“, erklärt Prof. Dr. Andreas Wiedemann. Ein Laufbogen soll zudem den kompletten Prozess transparent machen: Der Arzt beschreibt hier genau die Art der Inkontinenz seines Patienten, der Berater hält fest, welches Produkt ausgehändigt wurde und der Patient kann dokumentieren, wie er damit zurechtkommt.

Bei der Erstellung der neuen Leitlinie mitgewirkt:

  • Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG)
  • Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU)
  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
  • Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaften
  • Deutsche Kontinenzgesellschaft
  • der GKV-Spitzenverband
  • Inkontinenz Selbsthilfe e.V.

Die aktuelle Leitlinie kann digital heruntergeladen werden.