Dr. Björn Hegner

(06.09.2021) Der mit 1.000 Euro dotierte Bethesda Forschungspreis des Wissenschaftsforums Geriatrie 2021 geht an Dr. Björn Hegner, Chefarzt der Vitanas Klinik für Geriatrie Märkisches Viertel. Ausgezeichnet wurde eine veröffentlichte Forschungsarbeit mit dem Titel „mTORC1 und mTORC2 koordinieren die osteoblastische Differenzierung mesenchymaler Stromazellen durch differenzielle Einflüsse auf Zellschicksalsprogramme“. Unterstützt hat ihn dabei seine damalige Doktorandin Theres Schaub, heute Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Zell- und Neurobiologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin. Die Ergebnisse der durchgeführten Studie, auf der die Veröffentlichung basiert, legen nahe, dass durch die Aktivitätssteigerung bestimmter molekularer Schalter altersbedingten Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose vorgebeugt werden könnten. „Damit hat diese Arbeit eine sehr hohe Relevanz für die Altersmedizin und diese Auszeichnung in höchstem Maße verdient“, sagte PD Dr. Alexander Rösler, Mitglied der Preis-Jury und Chefarzt am Agaplesion Bethesda Krankenhaus Bergedorf, bei seiner Laudation beim Online-Kongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG).

Altersbedingte Erkrankungen treten vor allem auch deswegen auf, weil die Regenerationsfähigkeit des Körpers mit dem Alter abnimmt. Dabei kommt es zu Fehlfunktionen von sogenannten Vorläuferzellen, die dann zum Beispiel Gefäßverkalkungen verstärken oder auslösen können. „Unser Ansatz ist, dass man die endogene Regenerationsfähigkeit möglichst lange erhält und dadurch die Entwicklung oder das Fortschreiten von solchen Gefäßverkalkungen reduziert oder verhindert. Dafür ist ein bestimmter molekularer Schalter, der mTOR-Schalter, ganz zentral, weil dieser Differenzierungsprozesse und Zellschicksale in den Zellen reguliert und kontrolliert. Auf diesen Schalter haben wir uns bei der Untersuchung konzentriert“, erklärt Dr. Hegner.

Bestimmte Einstellung von molekularem Schalter schützt vor Alterung

In einem Zellkulturmodell wurde der mTOR-Schalter, dessen Funktion durch die zwei unterschiedliche Komplexe mTORC1 und mTORC2 bestimmt wird, mit menschlichen Gefäßvorläuferzellen genauer untersucht. Das Resultat: Eine bestimmte „Einstellung“ des mTOR-Schalters, bei der mTORC1 gehemmt und mTORC2 aktiviert war, verstärkte in den Vorläuferzellen regenerative Zellschicksalsprogramme und schützte sie vor Alterung, vorzeitigem Absterben und Verkalkung. Dafür entscheidend ist vor allem eine höhere Aktivität von mTORC2, wie sich in weiteren Experimenten herausstellte. Die gewonnenen Erkenntnisse ließen sich prinzipiell auch in den Gefäßen von Mäusen in vivo bestätigen.

Erkenntnisse könnten für neue Therapiestrategien genutzt werden

„In unserem Experiment, bei dem das Medikament Rapamycin, ein Immunsuppressivum, eingesetzt wurde, ging es vor allem darum prinzipiell zu verstehen, was dieser molekulare Schalter bewirkt. Unsere Erkenntnisse könnten dazu beitragen, dass neue therapeutische Interventionen entwickelt werden, mit denen dieser molekulare Schalter gezielt positiv beeinflusst wird. Auch Ernährungsinterventionen, etwa durch reduzierte Kalorienzufuhr, könnten in Zukunft eine Rolle dabei spielen“, so Dr. Hegner.

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