Foto (von links): DGG-Kongresspräsident Prof. Dr. Hans Jürgen Heppner, Professor Gerald Kolb, Vorsitzender des Preiskomitees, Preisträgerin Eva-Luisa Schnabel, DGGG-Kongresspräsidentin Ursula Müller-Werdan

(10.09.2018) Den mit 2.000 Euro dotierten DGG-Preis zur Förderung der interdisziplinären Altersforschung erhält in diesem Jahr die Psychologin Eva-Luisa Schnabel vom Psychologischen Institut und Netzwerk Alternsforschung an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Sie wird für ihren wissenschaftlichen Beitrag „Altersdiskriminierung im Akutkrankenhaus?“ ausgezeichnet. Ihre Arbeit ist in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Geriatrie der Universität Heidelberg entstanden. Darüber hinaus pflegt das Projekt eine intensive Kooperation mit dem Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. Im Rahmen des Gemeinschaftskongresses der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) sowie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) in Köln nahm Frau Schnabel die Preisurkunde von Professor Gerald Kolb, Vorsitzender des Preiskomitees und Geriater am Bonifatius Hospital Lingen, sowie den beiden Kongresspräsidenten Professorin Dr. Ursula Müller-Werdan und Professor Hans Jürgen Heppner entgegen.

Ihr Beitrag wurde aus insgesamt 69 Bewerbungen ausgewählt. „Der Preis zur Förderung der interdisziplinären Altersforschung ist gewissermaßen Reminiszenz und gleichzeitig Fortsetzung der Idee einer fachübergreifenden Erforschung der Probleme und Herausforderungen, die sich aus dem Alterungsprozess des Individuums, aber auch resultierender gesellschaftlicher Aspekte ergeben“, sagte Professor Kolb in seiner Laudatio. Und mit einer solchen Herausforderung hat sich Frau Schnabel intensiv auseinandergesetzt – mit beeindruckenden Ergebnissen.

Elderspeak: Wie pflegebedürftige ältere Menschen durch Sprache diskriminiert werden

In ihrem interdisziplinären Dissertationsprojekt hat sich die Doktorandin mit der Frage beschäftigt, wie sich negative Altersstereotype in der verbalen Kommunikation widerspiegeln. Konkret ging es darum, ob sogenanntes „Elderspeak“ – ein Sprechstil, der sich zum Beispiel durch vereinfachtes Vokabular auszeichnet – im geriatrischen Akutkrankenhaus existiert und ob Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen verstärkt davon betroffen sind. Bisher mangelte es im Akutbereich an Studien, die sich mit dem Auftreten von Altersdiskriminierung durch Sprache im Pflegealltag auseinandergesetzt haben. Frau Schnabel wertete dafür insgesamt 106 Tonaufnahmen aus, bei denen Pflegefachkräfte mit Patientinnen und Patienten – davon 49 Prozent schwer kognitiv beeinträchtigt – verbal kommunizierten. Anschließend führte sie eine standardisierte Befragung der Pflegefachkräfte und der Patienten durch.

Optimierte Kommunikation: Erheblicher Nutzen für unterschiedliche Berufsgruppen

Die Auswertung, die sich sowohl auf den Inhalt als auch auf den emotionalen Tonfall der Gespräche bezieht, ist derzeit noch im Gange. „Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass Elderspeak im Akutkrankenhaus eine bedeutsame Rolle spielt“, sagt Eva-Luisa Schnabel – und sieht Handlungsbedarf: „Künftige Studien sollten diesen Befunden weiter nachgehen, sodass empirisch fundierte Trainingskonzepte abgeleitet werden können. Optimierte Kommunikation mit älteren Patienten könnte einen erheblichen klinischen Nutzen sowohl für unterschiedliche Berufsgruppen als auch ältere Patienten im Akutkrankenhaus haben.“ Das Preisgeld will die Doktorandin voraussichtlich für ergänzende Studien verwenden und in internationale Forschungsreisen, zum Beispiel zum Kongress der amerikanischen gerontologischen Gesellschaft (Gerontological Society of America, GSA) investieren.

Netzwerk Alternsforschung: Verbesserung der Versorgungssituation

Das Dissertationsprojekt „Altersdiskriminierung im Akutkrankenhaus?“ von Eva-Luisa Schnabel ist ein Teilprojekt des von der Robert Bosch Stiftung geförderten Graduiertenkollegs „Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus“. Betreuer sind der Alternspsychologe Professor Hans-Werner Wahl und der Geriater Professor Jürgen M. Bauer, Past President der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie. Die wissenschaftliche Leitung des Graduiertenkollegs obliegt dem Netzwerk Alternsforschung (NAR) der Universität Heidelberg. Aktuell arbeiten im Kolleg 13 Doktorandinnen und Doktoranden aus verschiedenen Disziplinen an Ansätzen zur Verbesserung der Versorgungssituation von Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus.

 

Foto (von links): DGG-Kongresspräsident Professor Hans Jürgen Heppner, Professor Gerald Kolb, Vorsitzender des Preiskomitees, Preisträgerin Eva-Luisa Schnabel, DGGG-Kongresspräsidentin Professorin Ursula Müller-Werdan