Menschen an Whiteboard

(04.10.2021) Große Freude im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel: Die Gruppe um Katharina Niemann mit Corinna Bang, Andre Franke, Johanna Geritz, Clint Hansen, Dr. Sebastian Heinzel, Philipp Rausch, Julius Welzel, Dr. Philipp Bergmann und Prof. Dr. Walter Maetzler konnte sich unter den 68 gezeigten Postern als Gewinner des DGG-Posterpreises durchsetzen. Das Team erhielt den mit 500 Euro dotierten Preis für ihr Poster „Assoziation zwischen intestinalem und oralem Mikrobiom mit Frailty und Kognition beim geriatrischen Patienten“.

„Die Analyse von Bakterienbesiedelung und -zusammensetzung, also das sogenannte Mikrobiom, gewinnt immer mehr an Bedeutung“, erklärt Katharina Niemann im Anschluss. „Dies liegt einerseits an der unglaublich hohen Anzahl an körperfremden Organismen, die sich in und auf unserem Körper befinden – etwa das zehnfache im Vergleich zu unseren Körperzellen. Andererseits zeichnet sich auch immer mehr ab, dass diese Mikroorganismen intensiv mit unserem Körper kommunizieren und interagieren und somit nicht nur für Krankheiten, sondern auch für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden mitverantwortlich sind.“

Mikrobiom-Biobank für besseres Verständnis von Alterungs- und Krankheitsprozessen

Das Ziel der vorgestellten Arbeit sei die Vorstellung des Aufbaus einer neuen Mikrobiom-Biobank am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, mit dem Schwerpunkt auf Proben von geriatrischen Patienten sowie die Präsentation erster Analysen aus dieser Biobank. So wurden im Rahmen der "COgnitive and Motor Interactions in the Older PopulatioNs"-Studie (ComOn-Studie) bis dato von insgesamt 32 Patienten sowohl zu Beginn als auch gegen Ende der geriatrischen Frührehabilitation eine Stuhl- sowie eine Speichelprobe entnommen. „Erste Ergebnisse zeigen tendenziell einen Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms und dem geriatrischen Syndrom Frailty“, berichtet Niemann. „Die Mikrobiom-Biobank wird weiter ausgebaut und soll in der Zukunft einen relevanten Beitrag zum besseren Verständnis für Alterungs- und Krankheitsprozesse insbesondere bei geriatrischen Patienten liefern.“

Kinematische Daten aus der Smartwatch zeigen Aktivitätsgrad an

Den zweiten Posterpreis sicherten sich Stephanie Schmidle,  Dr. Philipp Gulde, Sophie Herdegen und Professor Dr. Joachim Hermsdörfer vom Lehrstuhl für Bewegungswissenschaft der Technischen Universität München. Sie wurden für ihr Poster „Kinematic Analyses of Activities of Daily Living Performance in Frail Elderly“ ausgezeichnet. Die Münchner dürfen sich neben einer Urkunde über 300 Euro Preisgeld freuen.

„Das Hauptziel unserer Studie war es, zu untersuchen, ob die Leistung von ADL-Aufgaben, also Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL), bei älteren Menschen durch eine Smartwatch-basierte Aktivitätsmessung bewertet werden kann und inwieweit die kinematischen Parameter aufgabenunabhängig sind“, erklärt Stephanie Schmidle den Inhalt ihres Posters. Dafür statteten Schmidle und Kollegen 27 ältere Teilnehmer mit einer Smartwatch aus und baten sie als Handlungsaufgaben einen Tee zuzubereiten und eine Pflanze umzutopfen. So wurden die Beschleunigungsdaten der dominanten Hand mit der Smartwatch erfasst und im Anschluss aus dem Vektorprodukt eine Reihe kinematischer Maße berechnet. „Diese spiegeln Aktivität, Agilität, Bewegungsfluss, Energie und Intensität unserer Probanden wider“, so Schmidle.  Aus dem Muster der beeinträchtigten und erhaltenen Leistungsparameter bei den getesteten Aufgaben schlussfolgern die Autoren, dass bei Personen mit Gebrechlichkeit die ADL-Leistung hauptsächlich, aber nicht ausschließlich, durch Defizite der körperlichen Kraft und Ausdauer und weniger durch kognitive oder sensomotorische Defizite beeinträchtigt werde.

Computerspielen zur Verbesserung des Blutdrucks

Und auch über den dritten Preis wurden sich die sechs Juroren der Preiskommission einig: Susan Vorwerg und Oskar Stamm von der Charité – Universitätsmedizin Berlin wurden für ihr Poster „Vorstudie zur Untersuchung der Belastungsintensität und User Experience eines Exergames in der virtuellen Realität (VR) für ältere Hypertoniker*innen“ ausgezeichnet. Der dritte Platz ist in diesem Jahr mit einem Preisgeld von 200 Euro verbunden.

Susan Vorwerg, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der AG Alter & Technik, erläutert: „Die Vorstudie wurde im Rahmen des „BewARe“-Projektes des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durchgeführt. Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines Exergames für ein Head-Mounted-Display in der virtuellen Realität (VR) für Seniorinnen und Senioren mit Hypertonie. Durch ein regelmäßiges VR-Training, bestehend aus Kraft-, Ausdauer-, Beweglichkeits- und Koordinationsübungen, soll somit langfristig Einfluss auf den Blutdruck genommen werden.“

Die Posterpreisträger 2021 in der Übersicht:

Digital gezeigt wurden 68 Poster aus fünf Gruppen, die von insgesamt sechs Personen bewertet wurden.

  1. Posterpreis: Katharina Niemann; Corinna Bang; Andre Franke; Johanna Geritz; Clint Hansen; Dr. Sebastian Heinzel; Philipp Rausch; Julius Welzel; Dr. Philipp Bergmann; Prof. Dr. Walter Maetzler; Kiel: „Assoziation zwischen intestinalem und oralem Mikrobiom mit Frailty und Kognition beim geriatrischen Patienten“
  1. Posterpreis: Stephanie Schmidle; Dr. Philipp Gulde; Sophie Herdegen; Prof. Dr. Joachim Hermsdörfer; München, Bischofswiesen: „Kinematic Analyses of Activities of Daily Living Performance in Frail Elderly”
  1. Posterpreis: Susan Vorwerg; Oskar Stamm; Berlin: „Vorstudie zur Untersuchung der Belastungsintensität und User Experience eines Exergames in der virtuellen Realität (VR) für ältere Hypertoniker*innen“