Simone Hahn und Dr. Johannes Trabert

(28.06.2022) Erstmals hat sich jetzt auch in Deutschland eine Gruppe junger Medizinerinnen und Mediziner zusammengetan, um die Zukunft der Altersmedizin mitzugestalten. „Was auf europäischer Ebene längst etabliert ist, hat national noch immer gefehlt. Diese Lücke schließen wir nun“, sagt Simone Hahn (Foto), leitende Ärztin der Akutgeriatrie am Klinikum Passau. Zusammen mit Dr. Johannes Trabert (Foto), Oberarzt der Medizinisch-Geriatrischen Klinik am Agaplesion-Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main, leitet sie ab sofort die Junge Geriatrie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). „Es geht darum, gleichgesinnte Kolleginnen und Kollegen in der Ausbildung zu fördern, zu vernetzten und bei der Forschungsarbeit zu unterstützen“, so Trabert. Wer Mitglied der Nachwuchsgruppe werden möchte, kann sich direkt an die beiden Leitenden wenden. Darüber hinaus bietet die DGG nun auch Studierenden eine gratis Mitgliedschaft in der Fachgesellschaft an.

Drei konkrete Ziele hat sich das Gründungsteam der Jungen Geriatrie gesetzt: Nachwuchsmedizinerinnen und -mediziner sollen sich über die DGG in Zukunft wesentlich einfacher vernetzen können. Darüber hinaus ist gegenseitige Unterstützung bei Forschungsprojekten geplant. Das dritte Ziel ist die Etablierung eines Mentorenprogramms. Entstanden sind diese ersten Ideen bei den Fortbildungen der European Academy for Medicine of Ageing, kurz EAMA. Dort hat sich das jetzige Gründungsteam der Jungen Geriatrie eher zufällig kennengelernt. „Viele kamen aus der gleichen Region und kannten sich weder gegenseitig noch die spannenden Arbeiten des jeweils anderen. Und wir haben gemerkt, dass fast alle mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert sind, die gemeinsam besser zu bewältigen sind“, erläutert Simone Hahn. 

Unterstützt wurden sie seit Beginn an von Professorin Katrin Singler, Weiterbildungsbeauftragte der DGG und Board Member der EAMA. „Ich finde es wichtig, dass wir jetzt deutschlandweit Flagge zeigen und über die kommenden Jahre hinweg dem medizinischen Nachwuchs vermitteln, welches Zukunftspotential in der Geriatrie steckt“, sagt Singler. Das Angebot richtet sich an Studierende genauso wie Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung beziehungsweise den ersten Berufsjahren.

Die ersten Schritte: DGG-Ansprechpartner vernetzen Nachwuchs in den Regionen

Und so will es die Junge Geriatrie der DGG umsetzen: In einem ersten Schritt sollen sich junge Medizinerinnen und Mediziner, die sich für die Altersmedizin interessieren, über feste Ansprechpartner aus dem Gründungsteam vernetzen können. Sämtliche Ansprechpartner präsentieren sich auf der DGG-Website. So soll in Zukunft gerade auch der regionale Austausch mit aktuellen Informationen gestärkt werden. „Dazu wollen wir vierteljährig Treffen anbieten, drei davon virtuell, ein viertes in Präsenz an einer Institution unserer Mitglieder“, sagt Johannes Trabert. Zusätzlich soll es ein Treffen beim jährlich stattfindenden Kongress der DGG geben. „Dort wollen wir uns künftig auch gerne mit einem Infostand präsentieren und als Ansprechpartner für den Nachwuchs zur Verfügung stehen.“ Darüber hinaus bestehe der Wunsch, sich so bald wie möglich durch passende Symposien auch inhaltlich an der Kongressgestaltung zu beteiligen.

Mentorenprogramm und Hospitationen: Neue Ideen für den Geriatrie-Nachwuchs

Damit der Medizinnachwuchs nicht nur klinisch erfolgreich arbeitet, sondern sich auch aktiv in die Wissenschaft einbringt, will die Junge Geriatrie mit passenden Programmen unterstützen. „Wir denken da aktuell an ein Mentorenprogramm oder die Möglichkeit zur Hospitation an fremden Einrichtungen. Hierfür sammeln wir gerade konkrete Ideen“, erklärt Hahn. Sie selbst engagiert sich seit einiger Zeit auch auf europäischer Ebene in der Early-Career Geriatricians Initiative der European Geriatric Medicine Society (EuGMS). „Hier haben wir schon viele gewinnbringende Projekte entwickelt, die nun auch auf Deutschland übertragen werden könnten.“ 

So sollen zum Beispiel regelmäßige Fallbesprechungen unter jungen Kolleginnen und Kollegen etabliert oder Kurzreferate in einem geschützten Rahmen ermöglicht werden. Grundsätzlich sollen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zukünftig über die DGG schneller Kontakt zu Experten erhalten, die sich mit dem gleichen Themengebiet auseinandersetzen. „Der Wissenstransfer ­– auch interdisziplinär – spielt eine bedeutende Rolle in der Geriatrie und kann gar nicht früh genug unterstützt werden, um wegweisende Forschungsideen weiterzuentwickeln,“ sagt Katrin Singler aus dem DGG-Vorstand.  

Jetzt anmelden: Gründungstreffen in Frankfurt – Netzwerkabend in Sachsenhausen

Ein offizielles Gründungstreffen mit satzungsgemäßen Wahlen wird es im Rahmen des Gerontologie- und Geriatrie-Kongresses geben, der vom 12. bis 15. September in Frankfurt am Main stattfindet. Studierende können am Kongress kostenfrei teilnehmen, für alle anderen gilt noch bis zum 24. Juli ein Frühbucherrabatt. Die Vertreter der Jungen Geriatrie werden sich beim Kongress nicht nur offiziell wählen lassen, sie wollen dann auch gleich den Fahrplan für die kommenden Monate diskutieren. „Jeder, der Lust hat mitzumachen, ist herzlich zu dieser Sitzung eingeladen“, sagt Johannes Trabert. Als Mediziner aus Frankfurt will er den Kongress auch direkt für einen besseren Austausch nutzen: „Wir planen einen gemeinsamen Netzwerkabend in Sachsenhausen, ganz ungezwungen und offen für alle, die sich mit uns austauschen wollen.“ 

Anmeldung und weitere Informationen gibt es per E-Mail an: junge.geriatrie@dggeriatrie.de

Termin:

Gründungstreffen Junge Geriatrie der DGG
Dienstag, 13. September, 16:55 bis 17:55 Uhr
Gerontologie- und Geriatrie-Kongress
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Hörsaalzentrum, Westend-Campus, Seminarraum 13

Bild: Simone Hahn (Klinikum Passau), Dr. Johannes Trabert (AGAPLESION Markus Krankenhaus Frankfurt)