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Pressemeldungen

25. Juni 2026

PM: „Das wird der vielfältigste und spannendste Kongress, den wir bisher gemeinsam veranstaltet haben!“

Prof. Hans-Werner Wahl (DGGG, links) und Prof. Michael Denkinger (DGG)

In gut drei Monaten ist es wieder so weit: Der nächste Gemeinschaftskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) öffnet seine Pforten. Die Motivation und die Stimmung könnten besser nicht sein, denn noch nie wurden so viele Abstracts eingereicht oder waren die Keynotespeaker so international wie in diesem Jahr. Die Kongresspräsidenten Prof. Michael Denkinger (DGG, rechts im Bild) und Prof. Hans-Werner Wahl (DGGG, links) verraten im Doppelinterview, welche weiteren Highlights auf die Teilnehmenden warten.

Warum haben Sie das Kongressmotto „Zukunft Alter(n): Perspektiven im Umbruch“ gewählt?

Michael Denkinger: Weil wir tatsächlich einen Umbruch erleben. In der Geriatrie entwickeln sich Diagnostik und Therapie rasant weiter. Gleichzeitig stellen wir uns grundsätzliche Fragen: Was bedeutet gesundes Altern? Wo endet normales Altern und wo beginnt Krankheit?

Das klingt nach einer wissenschaftlichen Debatte.

Denkinger: Ja, aber nicht nur. Auch das Gesundheitssystem verändert sich gerade massiv – von Krankenhausreformen bis zu neuen Versorgungsstrukturen. Das betrifft die Versorgung älterer Menschen unmittelbar.

Herr Wahl, erleben Sie diesen Umbruch auch in der Gerontologie?

Hans-Werner Wahl: Absolut. Themen wie Resilienz, Plastizität oder ein deutlich vertieftes Verstehen von kognitiver Entwicklung, Wohlbefinden oder Persönlichkeit in der gesamten Lebensspanne bis zum Tod gewinnen stark an Bedeutung. Fragen der sozialen Ungleichheit im Alter werden anhand von Biomarkern und historischen Veränderungen neu aufgerollt. Methodisch wird die Gerontologie in vielen Bereichen alltagsnäher mit dichten Messungen mehrmals am Tag, Tablet- oder Smartphone-gestützt selbst bei sehr alten Menschen.

Manche versprechen inzwischen sogar ein deutlich längeres Leben.

Wahl: Genau deshalb müssen wir wissenschaftlich genau hinschauen. Nicht jede Vision wird Realität. Die spannende Frage ist: Wie können Menschen möglichst lange gesund und selbstbestimmt leben? Hier geht es um neue interdisziplinäre Synergien, die teilweise leider, das muss man selbstkritisch sagen, noch Lippenbekenntnisse sind. Nur eine biologische Perspektive greift zu kurz.

Was wird auf dem Kongress in diesem Jahr anders sein?

Wahl: Wir bleiben primär bei bewähren Formaten, werden aber in vielen Standardthemenfeldern neue Entwicklungen sehen. Zum Beispiel werden neue Längsschnittbefunde zum Übergang in eine familiäre Pflegerolle, aber auch zur Lebenssituation nach Ende der Pflegerolle präsentiert, verhaltensorientierte Programme erweitern die Autonomieförderung von älteren Menschen mit Demenz, die Zeit nach Ende eines Krankenhausaufenthalts wird zur eigentlichen Interventionszeit und das Zukunftsthema digital gestützte Gesundheit und Prävention wird in mehreren Symposien nun endlich auch mit belastbaren empirischen Daten unterfüttert.

Welche Rolle spielen digitale Angebote?

Wahl: Eine wie gesagt immer größere. Sie können ältere Menschen vielfältig unterstützen, sind keineswegs nur kompensatorisch, sondern auch als entwicklungsförderlich zu sehen, etwa im Bereich soziale Partizipation oder dem Austausch mit anderen Generationen. Sie können auch Angehörige entlasten.

Herr Denkinger, was ist organisatorisch neu?

Denkinger: Wir haben die Symposien verkürzt – von 90 auf 75 Minuten.

Warum?

Denkinger: Weil sich viele Teilnehmende mehr Zeit für Gespräche gewünscht haben. Wissenschaft entsteht nicht nur im Vortragssaal.

Sonst noch etwas?

Denkinger: Wir haben das größte Programm unserer bisherigen Gemeinschaftskongresse. Noch nie gab es so viele Abstracts und so viele internationale Gäste.

Sie sprechen von Internationalität. Was heißt das konkret?

Denkinger: Unsere Keynotespeaker kommen unter anderem aus Deutschland, Österreich, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien, den USA und Singapur.

Bei einem so großen Programm: Worauf freuen Sie sich persönlich besonders?

Denkinger: Mich begeistert die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz und klinischer Praxis. Themen wie Delir, Sturzprävention oder Sarkopenie betreffen den Alltag in der Versorgung älterer Menschen unmittelbar.

Welche Fragen stehen dabei im Vordergrund?

Denkinger: Wie wir aktuelle Forschung möglichst schnell in die Versorgung bringen. Und natürlich auch, wie sich gesundheitspolitische Entscheidungen auf die geriatrische Versorgung auswirken werden.

Herr Wahl, was ist Ihr persönliches Highlight?

Wahl: Die interdisziplinären Symposien. Dort treffen medizinische, psychologische, sozialwissenschaftliche und biologische Perspektiven aufeinander.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Wahl: Das Thema Sarkopenie. Dabei geht es längst nicht mehr nur um das Verstehen von Muskelabbau. Es geht auch um motivationale und kognitive Aspekte, die wiederum immer in Kontexten von Pflege, Familie und letztlich auch kommunalen Angeboten gesehen werden müssen.

Welche Themen beschäftigen die Gerontologie derzeit besonders?

Wahl: Sehr unterschiedliche in Bezug auf Grundlagenforschung und Anwendung. Grundlegend sind wir gerade dabei, mit Forschung etwa zum hohen Alter unser Altersbild dieser Lebensperiode mit doch überwiegend Verletzlichkeiten zu hinterfragen. Anwendungsbezogen geht es z.B. um Interventionsforschung dahingehend, wie Menschen mit Demenz stärker an Entscheidungen und am Leben überhaupt beteiligt werden können. Selbstbestimmung und Teilhabe haben heute einen deutlich höheren Stellenwert in Forschung und Anwendung gewonnen als noch vor Jahren.

Ein Kongress besteht nicht nur aus Vorträgen. Was erwartet die Teilnehmenden darüber hinaus?

Denkinger: Der Kongresslauf und der Science Slam kehren zurück.

Der Science Slam war im vergangenen Jahr überraschend erfolgreich.

Denkinger: Ja, die Resonanz war enorm. Deshalb freuen wir uns auch in diesem Jahr wieder auf kreative Beiträge. Einsendungen sind noch bis zum 31. Juli möglich.

Und abends?

Denkinger: Der Kongressabend findet an einer neuen Location statt. Wir wollten mehr Raum für Begegnungen schaffen.

Stimmt es, dass sogar der Kongresssong zurückkehren könnte?

Denkinger: Zumindest würde ich das nicht ausschließen…

Herr Wahl, was gehört für Sie noch zu einem gelungenen Kongress?

Wahl: Die Begegnungen mit anderen auf den unterschiedlichsten Ebenen. Deshalb freuen wir uns über die große Industrieausstellung, die Posterpräsentationen und die Preisverleihungen.

Der wissenschaftliche Nachwuchs spielt dabei eine wichtige Rolle?

Wahl: Eine sehr wichtige. Junge Forschende erhalten zahlreiche Möglichkeiten, ihre Arbeiten vorzustellen und neue Kontakte zu knüpfen. Das ist für die Zukunft unserer Fachgebiete entscheidend.

Sie haben bereits die internationale Ausrichtung angesprochen. Warum ist sie Ihnen so wichtig?

Wahl: Weil viele Herausforderungen des Alterns weltweit ähnlich sind. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern eröffnet neue Perspektiven und schafft wertvolle Kooperationen.

Deshalb gibt es auch englischsprachige Sitzungen?

Wahl: Genau. Wir möchten den internationalen wissenschaftlichen Dialog weiter stärken.

Zum Schluss: Warum sollte man diesen Kongress auf keinen Fall verpassen?

Denkinger: Weil Altern eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft ist. Wer verstehen möchte, wie sich Versorgung, Forschung und gesellschaftliche Rahmenbedingungen entwickeln, findet hier die relevanten Antworten.

Und in einem Satz?

Denkinger: Wir sind überzeugt: Das wird der vielfältigste und spannendste Kongress, den wir bisher gemeinsam veranstaltet haben!


Fotos: Universität Heidelberg und Universität Ulm

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