Dr. Tania Zieschang

(30.01.2018) Fast 1,6 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Demenz. Ihre Behandlung stellt die Krankenhäuser vor eine besondere Herausforderung: Die Patienten bedürfen einer intensiven, fachgerechten Pflege, um einer Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten und der allgemeinen Gesundheit sowie der Entwicklung eines akuten Delirs während des Krankenhausaufenthaltes vorzubeugen. „Die Anzahl von älteren Patienten mit kognitiver Einschränkung nimmt deutlich zu“, sagt Dr. Tania Zieschang (Foto), Leiterin der Arbeitsgruppe Demenz der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). „Um eine gute Versorgung dieser Patienten zu gewährleisten, müssen sich Krankenhausstrukturen in der Breite verändern.“ Geschaffen wurden dafür spezielle „Special Care Units“ in bislang 44 deutschen Krankenhäusern. Die Arbeitsgruppe hat dafür eine detaillierte Übersicht zu allen Spezialstationen zusammengestellt.

Die „Special Care Units“ sind besonders auf die Behandlung kognitiv eingeschränkter geriatrischer Patienten mit somatischer Akuterkrankung eingerichtet. Sie zeichnen sich durch separate Räume aus, die wohnlich eingerichtet sind, und durch geschultes Personal, welches die Bedürfnisse der Patienten auch unter Berücksichtigung geriatrischer Besonderheiten im Blick hat. Erste Studien haben bereits bewiesen, dass Patienten in solchen spezialisierten Stationen besser aufgehoben sind – der Einsatz antipsychotischer Medikamente ist geringer, Fixierungen und Verlegungen in die Gerontopsychiatrie können vermieden werden, bei Entlassung ist die Mobilität besser und Verhaltensauffälligkeiten reduziert.

Die Zeit drängt: Bis 2030 wird sich die Zahl der Demenzkranken voraussichtlich verdoppeln

Ein deutschlandweit einheitliches Konzept für die Stationen gibt es nicht. Trotz der Anpassung an die lokalen Gegebenheiten und Bedürfnisse weisen alle Stationen gemeinsame Merkmale auf, wie sie in dem Positionspapier, welches die DGG bereits im Jahr 2014 herausgegeben hat, aufgeführt sind. „Die ‚Special Care Units‘ sollten möglichst in geriatrischen Abteilungen entstehen. Ein Großteil der Klinikpatienten mit kognitiven Einschränkungen bedarf wegen der gleichzeitig bestehenden Multimorbidität einer geriatrischen Behandlung – hier haben wir die Expertise“, so Zieschang. Flankiert sollten diese Bereiche aber durch demenzsensible und delirpräventive Maßnahmen im ganzen Krankenhaus. Es sollte keine isolierte Insellösung sein und sich andere Bereiche nicht für Patienten mit kognitiver Einschränkung zuständig fühlen. Und die Zeit drängt: Denn schon bis 2030 wird sich die Zahl der Demenzkranken voraussichtlich verdoppeln. Jetzt schon gute Betreuungsstrukturen zu entwickeln, ist deshalb aktuell eine Herausforderung für die Geriatrie.

Hier gibt Ihnen die DGG-Arbeitsgruppe Demenz eine detaillierte Übersicht zu den bisher erfassten Spezialstationen in geriatrischen Einrichtungen für kognitiv eingeschränkte Patienten.