Professor Dr. Tino Prell

(04.11.2021) Die medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat mit Professor Dr. Tino Prell (Foto) ihren ersten Professor für Geriatrie berufen. Er hat zum 1. September seinen Dienst angetreten und besetzt eine Brückenprofessur in Kooperation mit dem Carl-von-Basedow-Klinikum Saalekreis. „Im Alter sind die gesundheitlichen Probleme oft vielschichtig und jeder Mensch hat unterschiedliche Erwartungen und Wünsche. Daher wird eines unserer Ziele sein, das Selbstmanagement unserer Patientinnen und Patienten zu stärken, um so die Selbstständigkeit und Lebensqualität bis ins hohe Alter zu sichern. Dies baut auf meinen bisherigen Arbeiten im Bereich der Versorgungsforschung auf: die Medikamentenadhärenz und die Lebensqualität“, sagt Tino Prell.

Der Mediziner ist für Forschung und Lehre im Fach Geriatrie zuständig sowie als Direktor der neuen Universitätsklinik und Poliklinik für Altersmedizin an der Universitätsmedizin Halle sowie als Chefarzt für Geriatrie des Carl-von-Basedow-Klinikums Saalekreis in Merseburg tätig. Des Weiteren geht mit seiner Position die Leitung des Zentrums für Altersmedizin im Südlichen Sachsen-Anhalt (ZASSA), eine Einrichtung der beiden Partner, einher. Der 39-Jährige war bisher Oberarzt und Leiter der Bereiche Neurogeriatrie und Bewegungsstörungen am Universitätsklinikum Jena.

„Ich freue mich über die spannende, neue Herausforderung, ein geriatrisches Netzwerk für die Versorgung im südlichen Sachsen-Anhalt aufzubauen und das ZASSA auszubauen. Aufgrund des Querschnitt-Charakters des Fachs Geriatrie ist dieses Netzwerk für viele medizinische Disziplinen interessant und bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte“, sagt Prell. Er hat Erfahrung im Bereich der Grundlagenforschung, aber auch in der Bildgebung, hat sich aber zuletzt verstärkt der Versorgungsforschung gewidmet.

Medikamenten-Einnahme: Geriatrie-Netzwerk mit Telemedizin und heimischen Assessments soll helfen

So untersuchten er und seine Arbeitsgruppe im Rahmen einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Studie die Gründe dafür, warum ältere Menschen ihre Medikamente oft nicht richtig einnehmen können oder wollen. „Diese sogenannte Nonadhärenz ist ein wichtiges und häufiges versorgungswissenschaftliches Thema. Insbesondere beim Übergang von stationärer in ambulante Behandlung zeigen sich oft Probleme, indem Patientinnen und Patienten etwa wichtige Medikamente nicht weiter einnehmen. Hier kann ein Geriatrie-Netzwerk helfen“, so Prell. Dies umfasse auch telemedizinische Ansätze und heimische Assessments bei den Betroffenen.

Mit den Pflegewissenschaften und weiteren Akteurinnen und Akteuren in der Versorgungsforschung, aber auch mit grundlagenwissenschaftlichen Bereichen und der Biomarker-Forschung sehe er am Standort Halle hervorragende Anknüpfungspunkte für die wissenschaftliche Arbeit. „Im klinischen Bereich gibt es ebenfalls sehr gute Kooperationsmöglichkeiten, beispielsweise in der geriatrischen Onkologie oder der Neurogeriatrie bei Gang- oder Schluckstörungen, und zwar sowohl in Halle als auch in Merseburg“, macht Prell deutlich. Des Weiteren hat Prell mit dem Thema Delir einen Schwerpunkt, der mehr Beachtung braucht. „Patientinnen und Patienten, die dafür anfällig sind, schon vorher zu ermitteln und den ambulanten Sektor einzubeziehen, um Ressourcen besser zu nutzen, ist mir ein Anliegen“, so Prell.

Moderne Lehre: Mit digitalen Inhalten den Reiz der Geriatrie vermitteln

Den Reiz des Querschnittfachs Geriatrie möchte er Studierenden auch in der Lehre vermitteln und setzt dabei unter Pandemie-Bedingungen auf moderne Lehrmethoden wie den ‚inverted classroom‘ – das heißt, theoretische, digital aufbereitete Inhalte werden selbst erarbeitet und dann im Unterricht vertieft und angewendet. „Ich möchte mich auf klinisch relevante Themen fokussieren, mit Lehre an echten Patientinnen und Patienten sowie mit einer guten Betreuung der Studierenden“, so Tino Prell. Der gebürtige Weimarer hat selbst in Magdeburg Medizin studiert und wurde 2008 promoviert. 2014 folgte die Facharztanerkennung für das Fach Neurologie. Im Jahr 2017 habilitierte sich Prell, erhielt die Lehrbefugnis für das Fach Neurologie und erwarb die Zusatzbezeichnung Geriatrie.

Foto: privat