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25. September 2026

70.000 Euro für bessere OP-Vorbereitung älterer Krebspatienten – Dr. Nina Neuendorff erhält erstmals vergebenen Förderpreis der Max und Ingeburg Herz Stiftung

Dr. Nina Neuendorff

Dr. med. Nina Neuendorff (Foto), Oberärztin an der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation am Marien Hospital Herne, wird für ihr Forschungsprojekt OP-CAMP mit dem in der Altersmedizin höchsten dotierten Forschungspreis ausgezeichnet – dem Förderpreis der Max und Ingeburg Herz Stiftung. Die Gewinnerin untersucht mit ihrem Team, ob eine gezielte Vorbereitung auf eine Operation von gastrointestinalen Tumoren älteren und gebrechlichen Patienten helfen kann, ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern. Im Mittelpunkt steht eine zweiwöchige, multimodale Prähabilitation in einer geriatrischen Tagesklinik, die Kraft- und Ausdauertraining, Atemtherapie, Ernährungsoptimierung, Medikamenten-Check und psychologische Unterstützung integriert. Die neue Auszeichnung wurde heute im Rahmen des gemeinsamen Jahreskongresses der DGG und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) in Frankfurt am Main übergeben.

„Die Max und Ingeburg Herz Stiftung gratuliert der Preisträgerin herzlich. Mit unserem Förderpreis möchten wir Ideen und Projekte unterstützen, die dazu beitragen, älteren Menschen ein selbstbestimmtes und gesundes Leben zu ermöglichen. Das ausgezeichnete Vorhaben verbindet hohe praktische Relevanz mit der Förderung des akademischen geriatrischen Nachwuchses und entspricht damit in besonderer Weise dem Fördergedanken unserer Stiftung“, würdigte Prof. Wolfgang von Renteln-Kruse vom Stiftungskuratorium.

Praxisnaher Ansatz mit Perspektive

Hinter OP-CAMP steht ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen Altersmedizin, Chirurgie, Statistik und Datenmanagement. Die Unterstützung durch den geriatrischen Förderpreis ermöglicht zukünftig unter anderem die Finanzierung von zwei Promotionsstipendien und der statistischen Studienauswertung. „Unser Ansatz ist sehr alltagsnah“, erklärt die Preisträgerin Dr. Nina Neuendorff. „Bei einem positiven Studienergebnis könnte das Konzept künftig in die Routineversorgung von geriatrischen Tageskliniken übernommen werden. Denkbar wäre zudem eine Anwendung bei weiteren chirurgischen Erkrankungen.“

Konkret geht es Neuendorff und ihrem Team um die Frage, welchen Nutzen ältere Krebspatienten durch ein strukturiertes, geriatrisch ausgerichtetes Programm vor einer geplanten Krebsoperation des Darms, des Magens oder der Speiseröhre haben. Denn eine Operation kann für die Betroffene eine erhebliche körperliche Belastung darstellen. „Bei Menschen mit Frailty sind die körperlichen Reserven oft bereits vor dem Eingriff eingeschränkt. Internationale Leitlinien empfehlen deshalb eine risikoadaptierte Prähabilitation. Die wissenschaftlichen Ergebnisse sind bislang allerdings nicht einheitlich“, so Neuendorff. Mit dem Gewinn des Preises ergibt sich für sie die Möglichkeit, eine bessere wissenschaftliche Evidenz zu schaffen.

Studiendesign: Prähabilitationsprogramm versus Heimtraining

Für die randomisierte Studie sind rund 100 gebrechliche Patienten ab 70 Jahren vorgesehen, bei denen eine Operation wegen eines Kolon-, Rektum-, Speiseröhren- oder Magenkarzinoms bevorsteht. Nach einem umfassenden geriatrischen Assessment werden die Teilnehmenden per Zufallsprinzip einer von zwei Gruppen zugeteilt. Die Interventionsgruppe nimmt zwei Wochen lang an dem Prähabilitationsprogramm in einer geriatrischen Tagesklinik teil. Dort trainieren die Patienten Kraft und Ausdauer, erhalten Atemtherapie und Unterstützung bei der Ernährung. Zudem werden ihre Medikamente überprüft und bei Bedarf psychologische Unterstützung angeboten.

Die Vergleichsgruppe erhält dagegen ein Heimtrainingsprogramm sowie Informationen und Empfehlungen für die hausärztliche Betreuung. Durch diesen Vergleich lässt sich wissenschaftlich untersuchen, ob das strukturierte Programm in der Tagesklinik einen zusätzlichen Nutzen bringt.

Mobilität im Mittelpunkt

Ein zentraler Untersuchungsparameter ist die Mobilität. Dafür nutzt das Forschungsteam um Dr. Nina Neuendorff die sogenannte Short Physical Performance Battery, kurz SPPB. Der Test erfasst unter anderem Gleichgewicht, Gehgeschwindigkeit und die Fähigkeit, wiederholt von einem Stuhl aufzustehen. „Verglichen werden die Ergebnisse vor Beginn der Prähabilitation und unmittelbar vor der Operation. Zusätzlich untersuchen wir, wie sich die Mobilität nach dem Eingriff entwickelt“, so die Preisträgerin.
Nach drei und sechs Monaten folgen weitere Untersuchungen. Damit geht es nicht nur um die Frage, ob die Patienten unmittelbar vor der Operation körperlich leistungsfähiger sind, sondern auch darum, ob sich die Betroffenen nach dem Eingriff schneller erholen und ihre Selbstständigkeit besser erhalten können.

„Es ist wunderbar, dass die Geriatrie jetzt einen so relevanten und hochdotierten Preis erhalten hat, der als Förderung für zukunftsweisende Projekte wie das von Dr. Nina Neuendorff genutzt werden kann“, freut sich DGG-Präsident Prof. Michael Denkinger nach der Preisverleihung. „Wir sind der Max und Ingeburg Herz Stiftung sehr dankbar für diese Möglichkeit! Das verspricht, ein Meilenstein für uns als Altersmediziner und unsere Patienten zu werden.“

Über den Förderpreis

Die Hamburger Max und Ingeburg Herz Stiftung schreibt im Jahr 2026 erstmals den mit 70.000 Euro dotierten Förderpreis für wissenschaftliche Vorhaben in der praxisorientierten klinischen Geriatrie aus. Prämiert werden Forschungsprojekte, die einen konkreten Beitrag zur Prävention und zum gesunden Altern im stationären und teilstationären Rahmen leisten. Dazu gehören auch Vorhaben, die älteren Menschen evidenzbasiertes und alltagsrelevantes Gesundheitswissen zugänglich machen oder darauf abzielen, zusätzliche gesundheitliche Einschränkungen durch stationäre Behandlungen zu vermeiden. Die renommierte Auszeichnung wird gemeinsam mit der Stiftung feierlich auf dem gemeinsamen DGGG/DGG-Jahreskongress verliehen. Weitere Informationen zu den Ausschreibungsbedingungen und zur Einreichung finden sich auf der Website der Stiftung unter:
www.maxundingeburgherz-stiftung.de/foerderpreis-geriatrie


Foto: Michael Frietsch

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