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Dr. Johannes Trabert erhält Schiffbauer-Förderpreis für vereinfachtes Depressions-Screening bei älteren Menschen
Zwei Fragen und eine große Wirkung: Der mit 3.000 Euro dotierte Förderpreis der Rolf-und-Hubertine-Schiffbauer-Stiftung geht in diesem Jahr an Dr. Johannes Trabert. Der Neurogeriater aus dem AGAPLESION Markus Krankenhaus in Frankfurt am Main hat gemeinsam mit einem interdisziplinären Forschungsteam untersucht, wie sich depressive Symptome bei akut stationär behandelten älteren Menschen schnell und zuverlässig erkennen lassen. Das Team verglich dafür den Zwei-Fragen-Test nach Whooley mit der etablierten 15-Item-Geriatrischen Depressionsskala (GDS-15). Das Ergebnis: Der Whooley-Test erwies sich trotz seiner Einfachheit und Kürze als besonders sensitiv und liefert gerade bei älteren Menschen mit kognitiven oder funktionellen Einschränkungen wichtige diagnostische Vorteile. Die Erkenntnisse sind inzwischen auch in die S1-Leitlinie „Geriatrisches Assessment der Stufe 2“ eingeflossen. Die Auszeichnung wurde heute im Rahmen des Jahreskongresses der DGG und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) in Frankfurt überreicht.
„Gerade im akutmedizinisch-geriatrischen Setting brauchen wir Instrumente, die schnell, unkompliziert und trotzdem zuverlässig sind“, würdigte DGG-Präsident Prof. Michael Denkinger die Leistung des Preisträgers. „Die Arbeit von Johannes Trabert leistet dafür einen wichtigen Beitrag!“ Bis zu 60 Prozent der älteren Menschen im Krankenhaus weisen depressive Symptome auf. Depressionen können die Genesung erschweren, die Selbstständigkeit beeinträchtigen und mit längeren Krankenhausaufenthalten verbunden sein.
Zwei Fragen anstatt 15
Bislang wurde für die Depressions-Diagnostik in Deutschland vor allem die GDS-15 eingesetzt. Der Fragebogen umfasst 15 Items und kann dadurch in der Akutsituation vergleichsweise aufwendig sein. Der Whooley-Test beschränkt sich dagegen auf zwei Fragen:
- Haben sie sich im vergangenen Monat häufig niedergeschlagen, depressiv oder hoffnungslos gefühlt?
- Haben sie häufig wenig Interesse oder Freude an Dingen empfunden?
Wird eine der beiden Fragen bejaht, gilt das Screening als auffällig. Dr. Johannes Trabert und sein Team verglichen die beiden Diagnostik-Tools in einer prospektiven Studie mit 248 Personen, das mediane Alter lag bei 83 Jahren. Innerhalb der ersten 24 Stunden nach Aufnahme wurden sowohl die Whooley-Fragen als auch die GDS-15 durchgeführt.
Whooley-Fragen erkennen depressive Symptome besonders zuverlässig
Die Ergebnisse sprechen deutlich für das Zwei-Fragen-Screening. Bei der Erkennung mittelgradiger depressiver Symptome erreichten die Whooley-Fragen eine Sensitivität von 95 Prozent. „Das bedeutet: Von den tatsächlich betroffenen Patientinnen und Patienten wurden nahezu alle durch das Screening erkannt“, erklärt Preisträger Dr. Johannes Trabert. Besonders aussagekräftig sei zudem der negative Vorhersagewert von 99 Prozent – ein unauffälliges Ergebnis mache eine mittelgradige Depression sehr unwahrscheinlich. Zum Vergleich: Die GDS-15 erreichte eine Sensitivität von 57 Prozent.
Besonders hilfreich bei kognitiven und funktionellen Einschränkungen
Ein zentraler Vorteil des Verfahrens zeigt sich bei Patienten, die aufgrund eingeschränkter Selbstständigkeit oder kognitiver Defizite Schwierigkeiten mit längeren Fragebögen haben. Während solche Faktoren die Aussagekraft der GDS-15 beeinträchtigten, blieben die Ergebnisse der Whooley-Fragen weitgehend unabhängig davon. „Unser Ziel war nicht, Diagnostik zu vereinfachen, indem man auf Genauigkeit verzichtet, sondern ein Screening zu finden, das beides verbindet: eine einfache Anwendung und einen hohen diagnostischen Nutzen“, so Trabert.
Die Studienergebnisse legen deshalb nahe, die Whooley-Fragen als bevorzugtes Screening-Instrument für depressive Symptome bei akut stationär behandelten geriatrischen Patienten einzusetzen.
- Die ausgezeichnete Arbeit ist 2025 im International Journal of Geriatric Psychiatry erschienen: Trabert J, Bauer E, Golbach R et al. „Simplified screening for depression in acutely hospitalized geriatric patients: Comparison of the Two-Item Whooley Questions with the Geriatric Depression Scale-15“, Int J Geriatr Psychiatry 40(4): Simplified Screening for Depression in Acutely Hospitalized Geriatric Patients: Comparison of the Two-Item Whooley Questions With the Geriatric Depression Scale-15 - PubMed
Schiffbauer-Förderpreis würdigt praxisnahe geriatrische Forschung
Die Rolf-und-Hubertine-Schiffbauer-Stiftung vergibt jährlich zwei Auszeichnungen: einen Ehrenpreis in Höhe von 6.000 Euro sowie einen Förderpreis über 3.000 Euro. Letzterer wird für eine herausragende, in deutscher oder englischer Sprache veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Geriatrie vergeben. Die Auswahl erfolgt durch eine unabhängige Jury, die vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) berufen wird. Eingereicht werden können Arbeiten, die innerhalb der vergangenen drei Jahre publiziert wurden. Weitere Informationen zu den Preisen der Rolf-und-Hubertine-Schiffbauer-Stiftung finden sich auf der DGG-Website unter dem Bereich „Preise und Stipendien“.
Bildunterschrift:
Prof. Michael Denkinger (li.) und Prof. Hans-Werner Wahl (re.) gratulieren Dr. Johannes Trabert in Frankfurt am Main. Foto: Michael Frietsch
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