Professor Hans Jürgen Heppner, President-elect der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG)

(09.10.2018 ) Mindestens einer von drei Patienten im Krankenhaus ist älter als 70 Jahre – Tendenz steigend. Besonders für Rettungsdienste, Notaufnahmen und Intensivstationen stellen Menschen in der letzten Lebensphase eine besondere Herausforderung dar. Geriatrische Patienten würden dort oft nicht optimal versorgt, kritisiert Professor Hans Jürgen Heppner (Foto), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und Chefarzt der Klinik für Geriatrie am Helios Klinikum Schwelm. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat die DGG zum zweiten Mal eine Arbeitsgruppe Notfall- und Intensivmedizin ins Leben gerufen. Welchen Themen und Projekten sie sich widmen soll, erklärt AG-Sprecher Heppner im Interview.

Warum richtet die DGG erneut eine Arbeitsgruppe zur Notfall- und Intensivmedizin ein?
In meiner DGG-Vorstandszeit möchte ich die Akutversorgung geriatrischer Patienten zu einem Schwerpunkt machen. Wir müssen die Sinne aller Mitarbeiter in der Intensiv- und Notfallmedizin für die besonderen Bedürfnisse älterer Menschen schärfen.

Wie wollen Sie das erreichen?
Dafür müssen wir mit anderen Fachdisziplinen zusammenarbeiten, auch mit nicht-ärztlichen Kollegen. Wir wollen Notaufnahmen für den Umgang mit älteren Patienten schulen, aber ebenso daran arbeiten, dass Pflegedienste und Heime adäquate Nachsorge leisten können. Auch im Rettungsdienst sehe ich Verbesserungspotenzial.

Welche Aufgaben soll die Arbeitsgruppe übernehmen?
Letztlich soll sie zu einem Sprachrohr für die akutgeriatrisch tätigen Kolleginnen und Kollegen werden. Sie wird Fragestellungen entwickeln, Daten erheben und Befragungen durchführen. Außerdem soll sie Schulungsprojekte begleiten und ein Curriculum für die Fortbildung in der präklinischen Versorgung entwickeln.

Gibt es bereits ein aktuelles Projekt?
Derzeit läuft ein Schulungsprojekt, in dem wir Rettungssanitäter und -assistenten mit den Besonderheiten von Infektionen bei alten Menschen vertraut machen. Geriatrische Patienten entwickeln beispielsweise bei einer Sepsis früher Fieber und sind häufiger verwirrt als Jüngere. Diese Informationen werden schon bei der Einlieferung ins Krankenhaus an die Notaufnahme übergeben. Wir wollen untersuchen, ob sich dadurch auch das Verhalten der Kollegen in der Notaufnahme ändert, ob zum Beispiel diese Patienten häufiger in die Geriatrie verlegt werden.

Wäre es da nicht sinnvoll, Geriater aus ganz Deutschland an solchen Projekten zu beteiligen?
Absolut. Zurzeit sind wir nur fünf Enthusiasten, aber die Versorgungsstrukturen und die Krankenhauslandschaft sind von Region zu Region sehr unterschiedlich. Deshalb suchen wir weitere Mitglieder für die Arbeitsgruppe.

Wer sollte Mitglied werden?
In erster Linie sind das sicher alle Kollegen, die Akutgeriatrie betreiben. Schließlich sind sie jeden Tag damit konfrontiert, dass ältere Patienten in die Notaufnahmen kommen, die nicht optimal versorgt wurden. Geriater müssen das dann ausbaden. In der Arbeitsgruppe können sie im Austausch mit anderen Argumentationshilfen und Anregungen erhalten, die ihnen den Arbeitsalltag erleichtern.

Welchen Themen soll sich die Arbeitsgruppe in den nächsten zwei bis drei Jahren noch widmen?
Trauma-Versorgung und die Umgestaltung von Notaufnahmen für die Bedürfnisse geriatrischer Patienten sind sicher zentrale Themen. Zudem möchte ich, dass Geriater in die zunehmend selbstständiger werdenden Notaufnahmen integriert werden. Ich werde an meiner eigenen Klinik in Schwelm versuchen, einmal pro Woche eine Visite auf der Notaufnahme zu begleiten – und zwar als beratender Kollege. Wir wollen keine eigene geriatrische Notaufnahme, sondern unser fachliches Know-how den Spezialisten dort zur Verfügung stellen.

Sie wollen sich an der Arbeitsgruppe Notfall- und Intensivmedizin beteiligen? Dann kontaktieren Sie AG-Leiter Professor Hans Jürgen Heppner per E-Mail an hans.heppner@uni-wh.de