Hans Jürgen Heppner

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Mitglieder,

kaum zu glauben, wie schnell ein Jahr vergeht! Aber 2020 kann ja sowieso weg. Sagen die meisten. Doch dazu später mehr. Beim altmodischen Zeitvertreib Lesen bin ich auf Folgendes gestoßen, was mich doch ein wenig beschäftigt hat:

Was machen die Iren besser? Laut einer Umfrage der Zeitschrift „brand eins“ (09 /20 Jahrgang 22, S.8) sprechen knapp 74.000 Menschen Irisch als Muttersprache, also gälisch alle anderen gehören zur englischen Muttersprache. Über eine Million Menschen sind aber auf der Sprachlernplattform „duolingo“ registriert, um Irisch zu lernen. Was ist das Geheimnis dieser gälischen Sprache? Oder anders gefragt: Wie können wir Geriater so ein Interesse für unser Fachgebiet erreichen? Was müssen wir dafür tun?

Nun, ich denke, wir müssen uns mehr auf unseren „Nachwuchs“ fokussieren. Wie können wir uns für junge Ärztinnen und Ärzte interessant machen? Sicherlich ist es mit einer „Kongress-Ecke junge Geriater“ nicht getan. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in jedem Fall die Begeisterung für das Fach Geriatrie, das uns immer wieder aufs Neue anspornt, weitergeben müssen, aber auch berufliche Perspektiven – akademisch wie klinisch – aufzeigen und ermöglichen müssen, um interessierte Ärztinnen und Ärzte auf uns aufmerksam zu machen. Das Wissenschaftsforum Geriatrie e. V., das Sie alle schon über einige Jahre als Zusammenschluss engagierter Forscher in der Geriatrie kennen, wird in Zukunft noch näher zur DGG rücken und so dem akademischen Nachwuchs in der Fachgesellschaft eine Plattform, aber auch ein Mentorat, bieten können. So hoffen wir dann auf einen ähnlichen Zulauf wie die irischen Sprachlehrer.

Übrigens, aktuell zählen wir gut 1.800 Mitlieder in unserer Fachgesellschaft. Nicht schlecht, aber da ist noch einiges an Luft nach oben. Dennoch, liebe Mitglieder, es war ja einiges los so im Rückblick auf 2020.

Das Jahr begann mit Normalität. Der Bundesverband Geriatrie hat über viele Gesetzesneurungen und Beschlüsse berichtet, der GB-A Beschluss zur Versorgung hüftnaher Frakturen ging weiter seinen Weg und neue MDK-/MD- Strukturprüfungen standen an. Die Planungen für den gemeinsamen Kongress DGG/DGGG für den September in der Universitätsstadt Halle liefen auf Hochtouren und gewohnt zielstrebig.

Dann kam Corona. Das muss ich ja nicht weiter ausführen. Abteilungsschließungen, Intensiv-Aufrüstung, die langsame Verabschiedung aus der analogen Welt und viele skurrile Entwicklungen.

Natürlich waren wir in der Zeit nicht untätig und haben versucht, uns über verschiedene Medien Gehör für die Anliegen der Geriatrie in diesen Zeiten zu verschaffen. Dies gelang mal mehr, mal weniger erfolgreich. Neben zahlreichen Interviews und einigen gemeinsamen Publikationen, konnten wir immerhin unsere Kontakte zu anderen Fachgesellschaften wie der DIVI und der DGIIN vertiefen. Zusätzlich haben wir auf die Verordnung „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht“ zurückgegriffen, um die Handlungsfähigkeit unserer Fachgesellschaft sicherzustellen. Dies bedeutet, dass wir als Vorstand nun ein Jahr länger die Geschicke der DGG lenken und die nächsten Wahlen im September 2021 im Rahmen unseres Jahreskongresses in Frankfurt stattfinden werden. Ein idealer Nebeneffekt dabei ist, dass die Mitgliederversammlungen der DGG und der DGGG nicht mehr gleichzeitig stattfinden werden, und somit alle Doppelmitgliedschaften kein Terminproblem mehr haben.

Die Klinische Frailty Skala (KFS), die im Zuge der ersten „Corona-Welle“ ins Deutsche übersetzt und validiert wurde, wurde nicht nur als Entscheidungshilfe für die Überlegungen zur Intensivtherapie geriatrischer Patienten herangezogen, sie führte auch zu einer wissenschaftlichen Ausarbeitung für den Deutschen Bundestag.

Leider waren diese Entwicklungen der Auslöser für eine Verfassungsbeschwerde, da unter anderem die KFS als Triage-Instrument bewertet werden sollte. Menschen mit Behinderungen sahen den Gesetzgeber in der Pflicht, über verfassungsrechtlich nachprüfbare Prinzipien zu regeln, wer bei Ressourcenverknappung intensivmedizinisch behandelt werden soll.

Aber wir haben auch Flagge gezeigt und in den anstrengenden Zeiten Forschungsverbünde an unseren Universitäten für die Geriatrie mobilisiert. Sei es im Nationalen Forschungsnetzwerk der Altersmedizin für COVID-19 (Geriatrie und Pflegeheimmedizin – NF-AltCOV) oder bei der MPI_COVID 19 Studie (The multidimensional prognostic Index (MPI) fort he prognostic stratification of older inpatients with COVID-19: a propective observational cohort study). Auf die Ergebnisse dürfen wir schon jetzt gespannt sein.

Gestatten Sie mir nochmal ein Wort zum diesjährigen Kongress – digital, virtuell und eine Premiere.
Online – eine neue Erfahrung für uns alle. Nicht nur wir, auch unsere Kongressagentur Aey-Congresse musste sich innerhalb kurzer Zeit umstellen, um auf die Herausforderungen zu reagieren. Die positiven Rückmeldungen von Ihnen allen zeigen uns, dass wir die Aufgabe gut gemeistert haben. Wir werden weiter dazulernen und einzelne Elemente auch für zukünftige Kongresse beibehalten.

Nochmal zurück zur Steigerung unserer Attraktivität für neue Mitglieder: Dieses Jahr wurden in der DGG neue Arbeitsgruppen gegründet und warten auf Sie als aktive Mitglieder! Das sind im Einzelnen die Arbeitsgruppe „Mundgesundheit“ unter der Leitung von Prof. Dr. med. dent. habil. Ina Nitschke, MPH, und PD Dr. med. habil. Gabriele Röhrig-Herzog, die Arbeitsgruppe „Sarkopenie und Osteoporose“, für die sich aktuell Prof. Dr. Michael Drey verantwortlich zeichnet, und die Arbeitsgruppe „Studentische Lehre“, in der Dr. med. Stefan Grund die universitäre Lehre harmonisieren und weiterentwickeln will. Besuchen Sie unsere Homepage und erfahren Sie mehr! Die Website der DGG wurde in diesem Jahr und wird auch im kommenden Jahr höchst erfolgreich von unserem Kommunikations- und Pressepartner medXmedia Consulting KG, München, gestaltet.

Auch wenn wir viel getan haben, es gibt noch viel zu tun! Daher möchte ich Sie alle aufrufen, sich schon jetzt Gedanken zu machen, wie wir das kommende geriatrische Jahr gemeinsam noch interessanter, spannender und gehaltvoller gestalten können. Nutzen Sie den Jahreswechsel für gute Ideen und Vorsätze für 2021.

So wünsche ich Ihnen und allen Ihren Lieben eine beschauliche Rest-Adventszeit, zauberschöne Weihnachten und einen schwungvollen Start in das neue Jahr.

Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund #inzeitenwiediesen,


Ihr
Hans Jürgen Heppner