(03.11.2021) Die Grippezeit beginnt – und vor allem ältere Patienten sind durch Influenzaviren gefährdet. Für sie gibt es positive Nachrichten: „Dies ist die erste Saison in Deutschland, in der Menschen über 60 Jahre mit dem neuen Hochdosis-4-fach-Influenzaimpfstoff geimpft werden können. Dieser hat eine höhere Wirksamkeit als der zuvor empfohlene Standard-Impfstoff“, erklärt Dr. Anja Kwetkat (Foto), Direktorin der Klinik für Geriatrie am Universitätsklinikum Jena und Leiterin der Arbeitsgruppe Impfen bei der DGG. Nicht nur Älteren rät die Expertin zur Grippeschutzimpfung, sondern allen Menschen, die sich impfen lassen können. Nur so lässt sich auch die Verbreitung von Grippeviren erschweren – und damit eine mögliche doppelte Infektionswelle aus Grippe und Corona.

„Corona hat uns allen einen Schnellkurs in Sachen Immunisierung gegeben. Diese Erfahrung, wie wichtig Impfen ist, sollten wir auch für den Grippeschutz nutzen“, appelliert Kwetkat an die Bereitschaft aller, auch für die Grippeschutzimpfung ihre Ärmel hochzukrempeln.

Seit Anfang 2021 ist der neue Hochdosis-4-fach-Impfstoff für Personen ab 60 Jahren zugelassen. Für die Geriatrie ist das eine sehr positive Entwicklung, denn ältere Menschen sind besonders gefährdet eine Influenzainfektion zu entwickeln. Auch ist bei älteren Menschen das Risiko, an der Grippe zu versterben, höher: Bis zu 90 Prozent aller Grippetoten sind älter als 60 Jahre! Der neue Hochdosis-Impfstoff enthält die vierfache Antigenmenge des Standard-Impfstoffs und hat dadurch eine stärkere Wirksamkeit gegen die Influenzaviren.

Mythen rund um die Grippeschutzimpfung können entkräftet werden

Um die Akzeptanz der Grippeschutzimpfung in der Bevölkerung noch zu erhöhen, gilt es, auch die kursierenden Mythen zu entkräften. Zum Beispiel: „Ich bin geimpft worden und hatte dennoch eine Grippe.“ In den allermeisten Fällen handelte es sich dabei aber um eine schwere Erkältung – etwas völlig anderes. Dem Argument, dass die Grippeschutzimpfung bei älteren Menschen schlechter schützt und man daher darauf verzichten könne, entgegnet Dr. Kwetkat: „Sie schützt aber wesentlich vor schweren Krankheitsverläufen – und das ist viel wichtiger!“ Auch könne die Grippeschutzimpfung selbst keine Grippeinfektion auslösen, weil die bei Erwachsenen eingesetzten Impfstoffe Todimpfstoffe seien, die keine vermehrungsfähigen Viren beinhalten, so die Expertin.

Grippeschutz- und COVID-19-Booster-Impfung können simultan verabreicht werden

Wie auch bei Corona können Angehörige durch ihren eigenen Impfschutz dazu beitragen, die älteren Menschen zu schützen – und gleichzeitig als gutes Beispiel für andere vorangehen. „Wer jetzt einen Termin für eine Grippeschutzimpfung bei seinem Hausarzt vereinbart, trägt aktiv dazu bei, diese potenziell gefährliche Infektionskrankheit einzudämmen. Ältere Menschen können die Impfung zeitgleich mit der dritten Booster-Impfung gegen COVID-19 bekommen – die Ständige Impfkommission (STIKO) hat dies ausdrücklich bestätigt. Somit erhalten sie doppelten Schutz an einem Termin“, so Anja Kwetkat.

Foto: privat