Hans Jürgen Heppner

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Mitglieder,

wir haben alle berechtigte Sorge, wie es mit der Versorgung unserer älteren, geriatrischen Patienten langfristig weitergeht. Aufgrund der rasanten Entwicklungen sind viele Informationen bereits schon am Folgetag überholt. Das trifft das Robert Koch-Institut (RKI) genauso wie die Charité in Berlin, deren Meldungen laufend aktualisiert werden. Gerade deswegen möchte ich Sie heute einmal auf den aktuellen Stand der Maßnahmen bringen, die wir als DGG zurzeit empfehlen. Zudem haben wir für Sie Tipps zusammengestellt, wie beispielsweise mit hausärztlichen Besuchen in Pflegeheimen oder der Komplettierung einer Pneumokokken-Impfung umgegangen werden kann.

Wir sind auf Ihre Unterstützung in der konsequenten Umsetzung der sinnvollen Maßnahmen angewiesen, um das Voranschreiten der Infektionswelle abzufedern. Bitte bedenken Sie, die geriatrischen, multimorbiden Patienten gehören zur Hochrisikogruppe! Wir sind uns bewusst, dass viele Ärztinnen und Ärzte aktuell am Arbeitslimit sind. Es wird Großartiges geleistet, damit ältere Menschen mit Ihrer Unterstützung weiterhin selbständig am Leben teilheben können. Dafür danke ich Ihnen!

Herzlichst,
Ihr Hans Jürgen Heppner

Konkrete Maßnahmen zum Schutz und zur Versorgung älterer Menschen:

Allgemeine Maßnahmen für ältere und alte Menschen

  1. Abstand halten zu anderen Personen, mindestens 1,5 Meter
  2. Hygiene: Hände regelmäßig mindestens 20 bis 30 Sekunden waschen
  3. Veranstaltungen meiden
  4. Impfungen komplettieren
  5. Notfallliste bereitlegen

Alte Frau allein im Pflegeheim

(20.03.2020) Besonders geriatrische Patienten könnten die Folgen des Corona-Virus schwer treffen. Sie gehören zur Gruppe mit der höchsten Sterblichkeitsrate, insbesondere die Gruppe der über 80-Jährigen. Viele benötigen im Ernstfall intensivmedizinische Betreuung sowie eine ambulante Versorgung oder Betreuung im Pflegeheim. „Die Virus-Verbreitung zu verlangsam ist ein erster Schritt, um die Behandlungskapazitäten nicht zu überlasten. Als nächstes muss die Gesundheitspolitik Konzepte entwickeln, sodass weder ambulante geriatrische Dienste in personelle Schieflage geraten noch die Pflegeheime einen Aufnahmestopp verhängen, damit in den Kliniken schnell wieder Behandlungsbetten frei werden“, sagt Hans Jürgen Heppner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) sowie Chefarzt der Klinik für Geriatrie am Helios Klinikum Schwelm. „Dieser Engpass in der Pflege muss von den Krisenmanagern nun gelöst werden, damit wir Altersmediziner, aber auch die Hausärzte, sich auf die Versorgung der Patienten konzentrieren können.“

Corona-Informationen von Thieme

(19.03.2020) Die Thieme Gruppe, Springer Medizin und Springer Nature stellen die in ihren Unternehmen verfügbaren relevanten Inhalte zur Corona-Thematik ab sofort kostenfrei zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem fundierte Patienteninformationen inklusive Symptom-Checker, ein Online-Kurs zu COVID-19, relevante Inhalte aus Thieme Fachzeitschriften und Büchern sowie aktuelle Stellungnahmen verschiedener Fachgesellschaften und eine interaktive Weltkarte zur Epidemie-Ausbreitung. Alles nachzulesen unter: www.thieme.de/corona sowie www.springermedizin.de und www.springernature.com/de

Hilfe beim Aufstehen, Hände

(10.03.2020) Ältere Patienten mit einer hüftgelenknahen Femurfraktur, auch Oberschenkelhalsbruch genannt, sollen in Zukunft nur noch gemeinsam von Orthopäden und Unfallchirurgen und Altersmedizinern versorgt werden. Das besagt eine neue Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) begrüßen diesen Beschluss dem Grunde nach. Denn die betagten Patienten benötigen nach einem Sturz nicht nur eine fachgerechte unfallchirurgische Behandlung, sondern auch ihre Multimorbidität und altersbedingte Gebrechlichkeit muss mitversorgt werden. „Nur wenn wir Hand in Hand arbeiten, können wir die bisher dramatische Sterblichkeit nach Oberschenkelhalsbruch bei betagten Patienten stärker senken“, sind sich DGU-Präsident Prof. Dr. Michael J. Raschke und DGG-Präsident Prof. Dr. Hans Jürgen Heppner einig. Allerdings haben noch nicht alle Kliniken die nötigen Voraussetzungen und es mangelt lokal derzeit noch an Altersmedizinern für eine flächendeckende Versorgung für die Umsetzung der Richtlinie.

EAMA-Logo

(25.02.2020) Bessere Kompetenzen für junge Geriater mit Führungsambitionen: Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) vergibt in jedem Jahr zwei Vollstipendien für die Teilnahme am Postgraduierten-Kolleg der European Academy for Medicine of Ageing (EAMA) im Wert von jeweils 10.000 Euro. Damit bietet sich die einzigartige Möglichkeit, wissenschaftliche Kompetenzen im Bereich der Geriatrie zu erwerben und auf internationalem Niveau geriatrisch-wissenschaftliches Networking zu betreiben. Die einzelnen Kurse starten mehrfach im Jahr, der Einstieg ist jeder Zeit möglich, das Gesamtprogramm dauert zwei Jahre.

Privatdozentin Dr. Gabriele Röhrig-Herzog

(11.02.2020) Jeder zweite Mensch über 70 Jahren, der wegen akuter Beschwerden in ein Krankenhaus aufgenommen wird, leidet unter einer Anämie. Unter ambulanten geriatrischen Patienten liegt die Häufigkeit einer Blutarmut je nach Studie bei mindestens 20 Prozent. Ist dieses im hohen Lebensalter oft auftretende Problem nur ein Symptom der häufig multimorbiden Patienten – oder kann die Anämie als eigenständiges geriatrisches Syndrom aufgefasst werden? Zu dieser Frage hat die Arbeitsgruppe „Anämie im Alter“ der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) ein wissenschaftliches Positionspapier veröffentlicht. Im Interview berichtet die Leiterin der Arbeitsgruppe, Privatdozentin Dr. Gabriele Röhrig-Herzog (Foto), über den aktuellen Stand der Diskussion ein Jahr nach der Erstveröffentlichung des Papiers und erläutert, wo nach wie vor dringender Forschungsbedarf besteht.