DGG-Präsident Prof. Dr. med. Jürgen M. Bauer

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

das Kalenderjahr neigt sich dem Ende zu und es ist daher ein guter Zeitpunkt, um auf die vergangenen zwölf Monate zurückzublicken.

2017 war für die Geriatrie kein einfaches, und sicherlich auch kein in jeder Hinsicht erfolgreiches Jahr. Unseren Bestrebungen, einen Facharzt für Geriatrie und Innere beziehungsweise für Geriatrie und Neurologie im Rahmen der Novellierung der Musterweiterbildungsordnung zu schaffen, wurde eine deutliche Absage erteilt. Unser Vorhaben ist dabei nicht nur am Widerstand der Allgemeinärzte gescheitert. Auch unter den Vertretern zahlreicher weiterer Fachdisziplinen gab es große Vorbehalte. Aus diesem Grund können wir dieses Ziel zunächst nicht wie gehofft realisieren. Wir werden dennoch an ihm festhalten. Allerdings ist es nun erneut offen und von uns zu diskutieren, wie der zukünftige Facharzt für Geriatrie beschaffen sein wird. Dass er irgendwann kommen wird, daran scheint auch die Bundesärztekammer nicht zu zweifeln.

Alte Dame misst Blutdruck

(15.12.2017) Die im November 2017 veröffentlichten niedrigeren Grenzwerte für den Bluthochdruck gefährden ältere Patienten – zumindest bei unkritischer Anwendung. Nach den neuen Empfehlungen amerikanischer Fachgesellschaften gilt jetzt nur noch ein Blutdruck von weniger als 120/80 mm Hg als normal. Bereits ab einem Blutdruck von 130/80 mm Hg liegt ein Bluthochdruck vor.

Die neuen amerikanischen Empfehlungen stützen sich auf aktuelle Untersuchungen, die in der Tat auch für ältere Patienten den Nutzen einer intensiveren Blutdrucksenkung belegen konnten. Die diesbezüglichen Studien wurden sorgfältig durchgeführt und die jeweiligen Ergebnisse sind nachvollziehbar. Das Problem taucht bei der Übertragung der Studienergebnisse auf den älteren Patienten im Praxisalltag auf. Hier sind im Wesentlichen zwei Aspekte zu nennen:

Älterer Mann fährt im Dunkeln Auto

(29.11.2017) Eingebrannt hat sich das Bild vom älteren Unfallverursacher schnell. Forderungen, wonach das Autofahren ab einem bestimmten Alter nur noch mit einem Leistungszertifikat oder verpflichtenden Gesundheitschecks erlaubt sein soll, erteilt die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) eine Absage. „Dieses pauschale Vorgehen ist aus medizinischer Sicht grundsätzlich abzulehnen“, sagt Professor Jürgen M. Bauer, DGG-Präsident und Lehrstuhlinhaber an der Universität Heidelberg sowie Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg. Auch Zahlen des ADAC belegen: Menschen ab dem 65. Lebensjahr sind vielmehr gefährdet, als dass von ihnen eine Gefahr ausgeht. 30 Prozent der Verkehrstoten in Deutschland sind 65 Jahre alt und älter. Fast jeder zweite getötete Radfahrer oder Fußgänger fällt in die gleiche Altersklasse. „Was wirklich hilft, sind regelmäßige, freiwillige Gesundheitschecks aus einer geriatrischen Perspektive, bei denen auch Mehrfacherkrankungen, die Medikamentenversorgung und altersbedingte Einschränkungen gezielt untersucht werden“, so Bauer.

Logo der Lohfert-Stiftung

(29.11.2017) Kulturwandel im Krankenhaus: Multidimensionale Konzepte zur Verbesserung der (Patienten-) Sicherheitskultur – so lautet das Ausschreibungsthema für den Lohfert-Preis 2018. Die Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg, Cornelia Prüfer-Storcks, übernimmt die Schirmherrschaft für den mit 20.000 Euro dotierten Förderpreis. Bewerbungsschluss ist der 28. Februar 2018.

Älterer Mann isst zu Mittag im Klinikbett

(15.11.2017) Die S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Neurologie“ hat die nächste Entwicklungsstufe genommen und wurde auf europäischem Niveau aktualisiert. In den vergangenen zwei Jahren hat eine interdisziplinäre, internationale Arbeitsgruppe der Europäischen Fachgesellschaft für Klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) daran gearbeitet. Beteiligt war auch die Arbeitsgruppe Ernährung und Stoffwechsel der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG): „Mit der Weiterentwicklung ist es uns gelungen, neueste Erkenntnisse für Neurologen und Geriater aufzubereiten”, sagt AG-Sprecher Professor Rainer Wirth, Direktor der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation im Marienhospital Herne und Lehrstuhlinhaber für Geriatrie an der Ruhr-Universität Bochum. Die Leitlinie ist ab sofort im Fachjournal Clinical Nutrition abrufbar.

Foto (v.l.): DGG Past-President Privatdozent Dr. Rupert Püllen, DGG President elect Professor Hans Jürgen Heppner, Preisträgerin Anna Maria Schwarz sowie DGG-Präsident Professor Jürgen M. Bauer.

(02.11.2017) Die Sieger stehen fest: Im Rahmen des DGG-Jahreskongresses in Frankfurt am Main wurden Ute Nastali vom Universitätsklinikum Krems und ihre Forscherkollegen mit dem 1. Posterpreis der DGG prämiert. Für ihr Poster „Presbyphagie: Beurteilung der oralen Phase des Schluckens durch M-Mode Sonografie“ erhielt das Team die Preissumme von 500 Euro. Sie hatten schluckgesunde junge und alte Frauen mit B- und M-Mode Sonografie während des Schluckens untersucht und fanden Grund zur Annahme, dass die Untersuchung der intraoralen Phasen des Schluckaktes mithilfe des M-Modes eine sinnvolle Ergänzung zur Dysphagiediagnostik darstellt.